Donnerstag, 6. April 2017

Kitchen Survival! Der ganz normale Wahnsinn!

Kitchen Survival! Der ganz normale Wahnsinn!



Was für uns Köche ganz normal ist, ist für Außenstehende oft ein Buch mit sieben Siegeln.

Unser Arbeitstag!

Und wenn wir Köche dann doch mal anfangen, über unseren Alltag zu reden, schlagen die meisten Zuhörer die Hände über dem Kopf zusammen und verziehen ganz entsetzt das Gesicht.

„Oh mein Gott!“ hört man es dann vom Gegenüber. „Wieso?“ fragen wir dann ,,Heute war eigentlich noch ein guter Tag!“

Um den Alltag eines Kochs zu verstehen, muss man wissen, dass wir Getriebene sind, die meist gegen die Uhr kämpfen müssen, um am Morgen ihre Vorbereitungsarbeiten zu schaffen, damit sie anschließend den Mittagsservice unbeschadet überstehen.

Wenn das geschafft ist, geht´s meist nahtlos über in die Vorbereitungen für den Abend; um dann ab 18.00 Uhr fertig zu sein für den Dinner-Service.

Wenn man das weiß, ist man schon einmal einen Schritt weiter; klar gibt’s dann noch so kleine Nebentätigkeiten wie Bestellungen, HACCP, Bankette, Warenlieferungen, Foto Shootings, TV kochen, Sonderveranstaltungen, Caterings, Kochkurse usw., aber das   macht´s Kraut dann auch nimmer fett.

Jetzt ist es leider so, dass nicht die ganze Welt in unserem Zeitgefüge lebt und so wird man dann auch noch nebenbei von irgendwelchen tiefenentspannten Leuten zugeschwallt: „Ich koche ja daheim auch sehr gerne“, was den Blutdruck ganz leicht nach oben treibt.


Fünf Minuten später gibt dann noch der Grill den Geist auf und der Bondrucker rattert in einer Tour - Jipieeee, Hütte voll, Grill aus!

Allein das führt beim Normalbürger schon zum Herztod, wo der Koch noch seelenruhig anfängt, eine Lösung für das Grill-Problem zu finden.

Jetzt klopft einem noch im höchsten Geschäft plötzlich ein Lieferant auf die Schulter mit den Worten “Ich hab da ne Lieferung, hab die Palette mal in die Einfahrt gestellt und brauch noch ne Unterschrift“, da wird der Koch dann schon etwas unruhiger.

Doch auch das ist noch zu ertragen und es geht weiter im Mittagsgeschäft während draußen der Verkehr vor der Einfahrt irgenwie zum Erliegen kommt.

Es folgt der klassische Telefonanruf von irgendeinem Zivilisten, der nicht weiß, dass man einen Koch nicht unter dem Service anruft und der einem eine wahnsinnig wichtig Info geben will, die wir aber schon nicht mehr hören, weil wir direkt wieder aufgelegt haben.

All das führt bei uns Köchen nun zur normalen Betriebstemperatur.

Doch jetzt wird´s interessant: „Der Herr an Tisch 1 hätte gerne das Huhn, ohne Huhn, aber mit Rind, geht das?“ oder ,,Die Dame an Tisch 5 macht eine spezielle Diät und würde gerne die Speisen mit dem Küchenchef kurz durchsprechen.“

Dann ist es meistens aus, dann hilft nur noch lächeln, lächeln und nochmal lächeln, denn du kannst sie nicht alle töten!!

Das Tüpfelchen auf dem Ganzen ist dann nur noch, wenn plötzlich die Veranstaltungsassistentin in ihrem Kostümchen vor einem steht und völlig unbedarft anfängt mit „Hallöchen, ist ja ein bisschen was los bei euch. Uns ist oben ein kleines Missgeschick passiert, wir haben da eine kleine Veranstaltung vergessen!"

Meist antwortet der Koch dann nur mit „Ja und?“ Und wie immer wollen wir die Antwort eigentlich gar nicht hören, die ungefähr so lautet: „Ja, die 40 Leute sind jetzt da, 3-Gang Menü, ihr kriegt das doch hin, WIR schaffen das und ich muss jetzt los, Tschöööööö!“

Normalbürger Müller hätte jetzt bereits zum Amoklauf angesetzt, während wir Köche auch diese Herausforderung noch annehmen und erfolgreich durchstehen.

Doch auch jeder noch so verrückte Tag ist irgendwann einmal zu Ende, auf der Fahrt nach Hause fällt uns noch auf das irgend so ein Depp eine Europalette mitten in die Einfahrt gestellt hat, aber schon eine Stunde später liegen auch wir daheim im Bett.

Jetzt freuen wir uns schon in Frieden einzuschlafen, bis uns die Holde ein „Hallo Sexy“ ins Ohr haucht; ach was soll´s, was muss, des muss!

Und die Moral von der Geschichte? Wenn Euch ein Koch lange und intensiv anlächelt, lauft und lebt oder bleibt und lebt mit den Konsequenzen!

Brüder und Schwestern da draußen, Ihr seid nicht allein mit all den Verrückten, ich bin im Geiste bei Euch.

Bleibt´s brav und kocht, wie der Teufel,
Euer

Alexander Reiter