Samstag, 2. Dezember 2017

Michi´s ganz besondere Weihnachtsgeschichte




Es war ein Winter, wie schon lange nicht mehr. Es schneite immerzu und der eisige Wind ließ die Schneemassen auch noch durch die Lüfte tanzen, so dass man die Hand nicht mehr vor Augen sah. Meterhoch lag der Schnee an diesem Weihnachtstag, doch bald würde er sich auf dem Heimweg machen, dachte sich der Koch Michi, der hier an dem kleinen Landflughafen das Bistro betrieb.

Der letzte Flug war gerade abgehoben und die Passagiere der kleinen Maschine, die vor ein paar Minuten gelandet war, sollten eigentlich die Letzten sein.

Die meisten Kollegen waren schon weg, es war ja schließlich Weihnachten und es war ruhig geworden am Flughafen. Soweit er sehen konnte waren da noch die beiden Polizisten, die bei ihm immer gerne ihren Kaffee tranken und der neue Kollege von der Bodencrew, der gerade das Gepäck auslud.

Alle anderen hatten sich scheinbar schon aus dem Staub gemacht.
Er warf kurz einen Blick rüber und sah dort lediglich 3 Leute stehen, die auf ihr Gepäck warteten, na was soll´s aufräumen und ab nach Hause.

Er schnappte sich einen Putzlappen und begann sein kleines Reich zu reinigen, das Lied summend auf den Lippen, das gerade über die Lautsprecher schallte „Let it snow“. Hmm passend, kam es ihm in den Sinn, bei dem Schneetreiben.

So dachte er bereits bestens gelaunt an Zuhause, Weihnachtsgesänge, glückliche Gesichter und das Strahlen in den Augen seiner Lieben.

Ein lautes Schreien und Schimpfen riss ihn aus seinen Gedanken und so schaute er über seine Theke um zu erkennen was da denn vor sich ging.

Von seiner Position aus sah es so aus, als hätten die beiden Polizisten den Ausgang versperrt und verwehrten den drei verbliebenen Passagieren das Verlassen des Flughafens. `Wahrscheinlich wieder so ein Zoll- Ding` dachte er. Naja, sind halt Beamte, die können nicht einmal an Weihnachten a Ruh geben.

Da er eh fertig war und nur noch das Licht ausgeschaltet werden musste, zog er sich schnell seine Schütze aus, warf sich seine Jacke über und machte sich auf den Weg zum Ausgang.

Als er die Gruppe erreichte und an ihnen vorbei durch die Tür gehen wollte, hielt ihn einer der Kollegen auf.

„ Des wird leider nix, tut mir leid.“ Michi schaute verdutzt.

 „Wie, das wird nix ??“ Der Polizist zeigte auf die große Anzeigetafel in der Abflughalle auf der stand „ Aufgrund des starken Schneesturms kann der Flugbetrieb am morgigen Tag leider nicht durchgeführt werden. Alle Zufahrtsstraßen zum Flughafen sind zur Zeit unpassierbar, bei Fragen wenden Sie sich bitte an unsere Telefon Hotline. Wir bitten um Ihr Verständnis und wünschen ein frohes Weihnachtsfest.“

Michi drehte sich wieder zu ihm um, zuckte mit den Schultern und sagte „Ja und??“.

„ Wir sind eingeschneit, wir kommen nicht weg, es ist alles zu, glaubst ned wir wollen auch heim?“

Jetzt erst begriff Michi langsam, was er ihm da sagte, er saß hier fest! Was für eine Schei……… und das an Weihnachten. Zuhause warteten seine Liebsten, die Geschenke und vor allem auch die Gans, die es traditionell immer an Weihnachten gab und welche er jedes Jahr mit viel Liebe zubereitete. Das müsste jetzt seine Frau übernehmen, welche zwar sehr gut backen, aber nicht kochen konnte; das könnte ein Problem werden!

Kaum zu Ende gedacht, klingelte sein Handy. „Hallo mein Schatz, ich habe im Radio gehört, dass Ihr eingeschneit seid“ erklang die Stimme seiner Frau.

 „Hallo mein Engel, ja leider, ich weiß nicht, wann ich heimkomme, ich werd mich wohl verspäten“.

"Das macht doch nichts! Du kannst ja nichts dafür! Ich hab hier alles im Griff, ich hab auch schon die Gans ins Rohr geschoben, ich dachte mir 250 Grad! reichen, is ja ne echt große Gans".

Michis Blutdruck begann bei diesen Worten direkt zu steigen, doch er versuchte mit Engelszungen zu antworten. „Das ist ja sehr schön mein Schatz, geh jetzt bitte in die Küche und schau nach der Gans, okay?".

"Okay, bin vor dem Ofen. Sieht noch so aus, wie eben, als ich sie reingeschoben habe, soll ich die Temperatur erhöhen? Vielleicht 300?"

Er merkte, wie er langsam selbst zu kochen begann, doch er versuchte weiter ruhig zu antworten.

„So mein Engel, jetzt drehen wir das Ganze erst einmal runter. Auf 160 Grad Umluft, ja?“

"Okay, wenn Du meinst" antwortete sie. "Ist erledigt!"

"Schön, das hast Du gut gemacht. Du hast auch Wasser angegossen oder?"
"Wohin?" hörte er es am anderen Ende der Leitung. Nun wurde er langsam unruhig. „Engelchen, die Gans ist in einer Reine oder?“

Schweigen am anderen Ende, er hörte nur einige Zeit etwas Töpfegeklapper und ein leises Fluchen, was ihn dann doch schmunzeln ließ.
„Ja, aber logisch, die Gans ist in einer Reine, klar!“, seine Frau klang etwas gehetzt. 

Er musste lachen „Du hast sie grad hineingesetzt oder?“
Auf der anderen Seite kam nur ein „Wie? Ich hör Dich so schlecht, es rauscht ein bisschen, muss der Schnee sein“

„Ja klar der Schnee", antwortete er schmunzelnd "Du bist mir so Eine. Jetzt gießt du bitte 300ml Wasser in die Reine und schiebst sie zurück in den Ofen. Dann lässt Du sie 2 ½ Stunden garen, ich schau, dass ich hier irgendwie wegkomme".
Er hörte noch ein „Okay, erledigt, ich freu mich auf Dich, Küsschen“ bevor sie auflegte.
`So, das war geschafft` dachte er so bei sich. `Schiebt die Gans bei 250 Grad rein, Himmel hilf. Ich muss schnell heim, sonst kocht Sie mir noch die Knödel in der Waschmaschine`.

Nachdem das Gespräch beendet war, drehte er sich wieder zu den Polizisten, "Oiso Leute, wie kommen wir hier weg, Notfall, meine Frau kocht!"
Die beiden sahen sich an und mussten lächeln, bevor einer von ihnen antwortete „Macht mei Oide jeden Tag, und ich leb trotzdem noch. Mir sitzen hier erstmal fest, bis die Straßen wieder frei san, Hilft nix, muas dei Frau halt Würstl essen mit Kartoffelsalat, wenn sie des schafft “ der Polizist schlug seinem Kollegen kameradschaftlich auf die Schulter und beide begannen herzhaft zu lachen.

„Ich merk schon, Ihr seid´s heut echt guad drauf!" erwiderte Michi
"Und was is mit denen Drei?"
"Die kommen auch ned weg. Leider verstehen wir koa Wort von dem, was die sagen, die kommen irgendwie von auswärts." 

Michi blickte hinüber und sah die Drei da stehen. Sie hatten einen Zettel in der Hand und schauten traurig in Richtung Tür.
"Die haben eine Einweisung ins Krankenhaus für den kloanen Bub" hörte er seinen Kollegen sagen. 
"Ja und? Könnt´s Ihr keinen Krankenwagen rufen?" Michi schaute ihn an. "Der Bub fliegt sicher ned stundenlang zu uns, weil er schnupfen hat!"

"Michi, des wissen wir auch, aber schau doch mal raus!" mischte sich der andere Polizist ein.
"Hast ja recht" Michi klang etwas entmutigt, doch dann begann er einen Plan zu schmieden! Wenn sie hier alle fest saßen und der Kleine schon sein Weihnachten am Flughafen feiern musste, dann wenigstens richtig.
Er stellt sich vor die Anwesenden auf und begann „Okay Leute, es ist Weihnachtstag, wir sitzen alle hier fest und das lässt sich nicht ändern. Aber deswegen werden wir trotzdem Weihnachten feiern!"

Die Eltern des Kleinen schauten sich mit ratlosen Gesichtern an „No etiendo ni lo mas minimo de eso“.
Als unser Koch das hörte, lachte er laut auf, schaute zu den Polizisten und sagte „ Das ist Spanisch, Ihr Bauern!“  Da er selbst einige Zeit in Spanien gelebt hatte, erklärte er der Familie die Situation. Sie selbst waren sehr verwundert über solche Schneemassen, doch waren gleich Feuer und Flamme für die Idee, dann einfach hier Weihnachten zu feiern, speziell ihres kleinen Sohns wegen, denn er war noch so klein, doch sollte er doch ein schönes Weihnachtsfest haben.

Der Mutter liefen dabei ein paar Tränen die Wangen hinunter. Vielleicht würde er kein weiteres mehr haben, wenn sie keinen Spender finden, erklärte sie Michi, denn ihr kleiner Sohn hatte Blutkrebs.
Michi blickte hinüber zu dem kleinen Jungen, der auf dem Boden saß und ganz vertieft mit seinem Spielzeugauto spielte und wurde unendlich traurig.

Doch jetzt war nicht die Zeit zu weinen, er würde helfen, ihm das schönste Weihnachten aller Zeiten zu bescheren und zwar genau hier auf dem Flughafen.
Gesagt, getan. Die beiden Gesetzeshüter fingen an eine Art Parcours aufzubauen und riefen den neue Kollege von der Bodencrew mit seinem Elektro-Wagen. Dieser fuhr mit dem Kleinen unter fachgerechter Aufsicht in der Abflughalle herum, das dieser nur so vor Freude lachte.
Der Vater des Kleinen überlegte sich derweil allerlei Spiele und die Mutter und Michi gingen in die Küche.

Geschwind war eine Tafel mit Allem, was er noch so fand in seiner kleinen Bistro- Küche, gerichtet. Es würde wohl nicht viel werden, Kuchen, ein paar Keksen, doch wurscht, denn der Geist der Weihnacht hatte sie längst alle erfasst. Noch einen kleinen Topf Glühwein aufgesetzt und einen Kinderpunsch für den Kleinen.
Michi zog noch mit Hilfe der Anderen einen Weihnachtsbaum herein, der in der Halle als Dekoration gestanden hatte und stellte noch einige Kerzen auf den Tisch.

Mit einem Mal erstrahlte sein kleines Reich in völlig neuem Licht, draußen vor den großen Glasscheiben türmte sich der Schnee, der das Kerzenlicht reflektierte und verzauberte die Szenerie in ein regelrechtes Winterwunderland. Der Geruch des frischen Glühweins und des leuchtenden Weihnachtsbaums, die Tafel, gefüllt mit den kleinen Speisen und die weihnachtliche Musik zur Untermalung komplettierten das Ganze.

Michael goss noch schnell ein paar Gläser Sekt ein und einen Orangensaft. Es war geschafft, die Gäste konnten kommen. Als der Kleine mit seiner Schaar an Weihnachts-Entertainern bei der Tür erschien, merkte man, wie viel Freude sie alle gehabt hatten.
Sie hatten Rentierhüte auf, die sie irgendwo in Shop aus der Auslage geliehen hatten und lächelten über beide Ohren. Tja, Kind bleibt Kind, ob groß oder klein.

Michi verteilte die Sektgläser, sie stießen an und ihre kleine Feier konnte starten. Dabei fiel ihm auf, dass er gar nicht wusste, wie all seine Feiergäste hießen.
Die beiden Polizisten hießen Caspar und Hausl. Mal echt bayerische Namen, aber die der anderen, da müsste er später mal fragen. 

Sie begannen zu essen, scherzten und genossen den frühen Abend, der neue Kollege der Bodencrew, seine Name war übrigens Melchi, war ein echt lustiger Typ, der allerlei Witze auf Lager hatte.
Michi merkte, dass sich die Familie in diesem Kreis sehr wohlfühlte, sie alle lachten und genossen die Feier. 

Maria, die Mutter des Kleinen begann mit dem Kerzenlicht kleine Schattenbilder an die Wand zu werfen die der Kleine sofort fangen wollen, sehr zur Belustigung seines Vaters Joseph.

Unser Koch war glücklich und blickte zufrieden in die Runde, wenn er auch seine Familie vermisste. Seine Frau würde vielleicht wirklich Würstl machen müssen, denn er glaubte nicht, dass er es noch bis nach Hause schaffen würde, als plötzlich sein Handy klingelte.
„ Hallo Michi! Schau mal aus dem Fenster!"

Was Michi sah, brachte ihn fast augenblicklich zum Lachen. Seine Frau hatte sich scheinbar die Schneeraupe vom Nachbarn ausgeliehen und walzte sich ihren Weg zum Haupteingang und sie hatte eine Gans dabei!!

Er holte sie am Haupteingang ab, drückte sie und sie sagte „Ich dachte mir, wenn Du nicht zum Essen heimkommst, kommt das Essen halt zu dir!“
"Du bist einfach die Beste, mein Engel" antworte Michi glückselig und so wurde die Tafel doch noch reichhaltig gedeckt und alle erfreuten sich an der wundervollen Weihnachtsgans.
Michi stellte allen seine Frau vor, die im Anschluß Michael ins Ohr flüsterte „Willst Du mich verarschen? Ist Dir irgendwas an Deinen Gästen aufgefallen?" Michi zuckte mit den Schultern.
„Wir haben hier Caspar und Hausl" seine Frau zeigte auf die Polizisten, "Hausl ist die bayerische Version von Balthasar, der Lustige dort drüben heißt Melchi oiso Melchior. Und die Eltern heißen Maria und Joseph, des muas Du doch gemerkt haben?"

Jetzt fiel es unserem Koch wie Schuppen von den Augen, stimmt, aber sicher nur Zufall, doch dann erhob sich Maria und bat Michael zu übersetzten. „Ihr guten Menschen, wir danken Euch von ganzem Herzen, dass Ihr uns so wundervoll aufgenommen habt, Gott beschütze Euch. Ihr habt uns und unserem kleinen „Jesús“ einen wundervollen Abend beschert."

Jetzt erkannte Michael, dass seine Frau Recht hatte und er schaute mit offenem Mund in die Runde. Das musste ein Zeichen Gottes sein, auch wenn Jesús ein echt gebräuchlicher Vorname in Spanien war. Immer und immer wieder dachte er darüber nach, es musste ein Zeichen sein!

Als sich die Feier langsam dem Ende näherte, einigten sich alle, den Abend mit einer schönen Schneeraupenfahrt ausklingen zu lassen und so fuhr unsere Weihnachtsgesellschaft einen nach dem anderen nach Hause, bis sie letztendlich vor dem Krankenhaus standen.
Michael half das Gepäck auszupacken und begleitete die drei zur Anmeldung, um zu übersetzen. Er brachte die Familie noch aufs Zimmer und verabschiedete sich von ihnen.

Als er sich beim Hinausgehen bei der Anmeldung noch von der Nachtschwester Gabi verabschieden wollte, sagte diese
"Wenn Sie sich noch als möglicher Spender eintragen wollen, dritte Tür links, war doch Ihre Frage oder?"
Michi war ein wenig verdutzt "Ähhh ja, dritte Tür links, mach ich!“
Als das erledigt war, setzte er sich zu seiner Frau in die Schneeraupe und fuhr glücklich und gesättigt durch die tief verschneite Winterlandschaft nach hause.

Einige Tage später zwischen den Jahren, als er sich gerade zum Skifahren aufmachen wollte, klingelte sein Telefon.
„Grüß Gott, Kreiskrankenhaus der Barmherzigen Schwestern hier, spreche ich mit Herrn Michael Himmelreich?„
„Ja, das bin ich" antwortete Michi. 
„Wir möchten Sie bitten, umgehend zu uns ins Krankenhaus zu kommen.“
„Ja, und wieso?“
„Des sagt Ihnen dann der Arzt, Sie machen sich bitte gleich auf den Weg!“
Und schon war Michael in seinem Auto und auf dem Weg ins Krankenhaus.

Hier angekommen wurde er sogleich zum Chefarzt gebracht, der ihn freudig anlächelte. „Grüß Gott, Sie kommen wirklich wie gerufen. Sie haben sich doch als Spender eintragen lassen und erfreulicherweise passen Sie ganz genau, um dem kleinen spanischen Jungen zu helfen. Mit Ihrer Hilfe wird er wieder völlig gesund!"

Michael wusste nun welches Zeichen Gott ihm geben wollte und für was er vorgesehen war.
Mit Tränen des Glücks und seinem Glauben im Herzen, war er zu Gottes Werkzeug geworden, um dem Kleinen zu helfen wieder gesund zu werden.
So würde Michael dieses Weihnachten wohl nie vergessen, das Weihnachten, an dem seine Frau eine leckere Gans gezaubert hatte, er ein paar weihnachtliche Stunden am Flughafen verbrachte und allem voran, dass er dem kleinen Jesus ein neues Leben schenken durfte.


***
Das Team des Schlemmerblogs wünscht euch von Herzen eine schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Weitere kulinarische Weihnachtsgeschichten findet ihr hier:


  

Mit weihnachtlichen Grüßen,
eurer Schlemmerblog München

Herbert Hörnlein, Nicole Savels und Alexander Reiter

Samstag, 4. November 2017

Frei nach Pinocchio. Der ultimative Ratgeber, wie man sich einen Koch backt!

 ....................................wenn man nicht schnitzen kann!


Liebe Schlemmerlinge,
in einer Zeit, in der es immer weniger Köche und immer mehr schlechtes Essen gibt, sucht so mancher von uns nach einem Ausweg aus dieser Misere.

Auf dem freien Markt sind so gut wie keine Köche zu finden und so gehen unserer Zunft langsam aber sicher die Optionen aus.
Aber da es auch nicht hilft, Trübsal zu blasen oder den Kopf in den Sand zu stecken, gibt’s auch hier eine Lösung!

Liebe Kollegen, wie Meister Geppeto seinen Pinnoccio aus Holz geschnitzt hat, so können auch wir uns unsere Kollegen selbst machen, sozusagen backen.

Und wie immer bei uns Köchen gibt’s dafür auch ein Rezept!
Natürlich ist wie bei jedem Rezept ne Menge Übung nötig und manchmal wird’s nicht klappen, doch am Ende lohnt es sich, versprochen!

Wenn jetzt einige schon angefangen haben, vor lauter Verzweiflung, an einem Holzklotz herumzuschnitzen und Euren neuen Kollegen mit einer Autobatterie zum Leben erwecken wolltet, wart Ihr ein bisschen voreilig und solltet nochmal das Messer weglegen.
Hallo, kein Freestyle! Erstmal das Rezept lesen! Ihr seid nicht Dr. Frankenstein.

Also, zuerst einmal die Zutaten:

Als Erstes brauchen wir ca. 60-80 Kg Rohmaterial, sprich, einen Menschen jung oder alt, der uns unterstützen will.
Wenn dieser sogar noch den Beruf erlernen will, umso besser, ist aber von Fall zu Fall verschieden.

Die weiteren Zutaten sind: Verständnis, Wille, Respekt und viel Einfühlungsvermögen.
Dabei ist zu beachten, dass wir unbedingt all diese Zutaten in gleichem Maß benötigen, denn sonst wird es nichts.
Zuviel Einfühlungsvermögen und er geht auf und fällt wieder zusammen, wenn er auf Probleme trifft, wie ein Hefeteig. Zu wenig und er geht gar nicht auf!
Ihr seht, sehr schwieriges Ausgangsmaterial, aber doch gut formbar.
Und noch etwas ist zu bedenken, das Rohmaterial ist noch kein fertiges Endprodukt nur weil es eine weiße Jacke anhat! Also versucht das zu verstehen, sonst verschreckt Ihr es und dann ist die Hauptzutat sofort wieder draußen bei der Tür.

Zubereitung:
Ich höre schon die kritischen Kollegen (Aber man findet ja nix gescheidts, Du kannst guad reden usw.), spart Euch die Mails an mich. Solange Ihr noch nicht an allen Schulen, auf dem Landratsamt, Arbeitsamt, Jobbörsen und in den Flüchtlingsheimen wart, um Euren neuen Kollegen zu finden und wirklich alles getan habt, um jemanden zu bekommen, solltet Ihr vielleicht weiterlesen.

Eine unserer größten Tugenden als Köche ist es, dass wir alle Nationalitäten respektieren, kosmo-polit und völlig unpolitisch sind; es ist uns auch meist wurscht, wie andere aussehen und was sie sonst so machen, denn wenn jemand gut kocht, kann er gerne in seiner Freizeit auf dem Friedhof Schwarze Messen feiern, mir egal.
Und genau hier sollten wir ansetzen (nicht am Friedhof), bei der Persönlichkeit! Keiner von uns kennt jemanden wirklich sofort und wir sollten Menschen nicht nur nach ihren Noten oder dem Auftreten beurteilen.Traut Euch was, gebt auch Leuten eine Chance, die vielleicht nicht in Euer Bild passen, vielleicht werdet Ihr überrascht. Menschen brauchen Zeit, gebt ihnen Vertrauen und Ihr werdet es zurückbekommen.

Füge Verantwortung hinzu (nach und nach)

Speziell junge Menschen wollen Verantwortung, gib Ihnen welche und sieh, wie sie damit umgehen; kleinere Aufgaben, die sie immer wieder selbstständig durchführen dürfen, dabei die Durchführung kontrollieren, hilf und korrigiere und geb Feedback, wenn nötig. Aber wir rasten, wenn möglich nicht aus, wenn was in die Hosen geht, sonst ist er wiederum weg, der Kollege.

Ich rede nicht davon, die Leute weich zu spülen, nur sollte man sie langsam an die Dinge heranführen. (Jetzt denken schon wieder viele von Euch „Mir ham´s auch nix geschenkt in der Lehre“-
Für alle, die so denken, dann war dein Chef ein Depp!Tut mir leid für Dich, get over it! Und tue das Richtige!)

Würze mit Erfolgserlebnissen!

Dann geht es weiter im Programm! Menschen brauchen Erfolgserlebnisse! Gebt ihnen kleine Projekte und unterstützt sie dabei! Backt zusammen ein Lebkuchenhaus für die Hotelhalle oder überlegt Euch was anderes Spannendes. So lernt Ihr Euch besser kennen und schätzen. Und vergesst nicht, Ihr wart auch mal in dieser Situation, also denkt mal zurück, sicherlich gab es auch bei Euch in der Lehre jemanden, der Euch geholfen oder inspiriert hat, denn sonst wärt Ihr schon lang nicht mehr in der Branche.

Sprachprobleme verkochen

Sollte ein Sprachproblem vorliegen, gibt es seid Urzeiten eine totsichere Methode der Kommunikation (Nein, nicht die Sprache der Liebe Ihr Ferkel) Ich spreche davon anzuleiten und, wenn möglich, durch Bilder abzusichern. Mehrmaliges Vorführen und Wiederholen lassen, mit anschließender Kontrolle. Hilfreich ist es, wenn Fotos die Arbeitsschritte visuell darstellen.

Kochzeit beachten, sonst brennt´s an!

Zum Thema Arbeitszeit ist folgendes zu sagen, es liegt an uns Allen, ob unsere Branche eine Zukunft hat oder nicht. Wir bekommen nur Arbeitskräfte, wenn wir lernen, ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Und dazu gehören nun mal die Arbeitszeiten. Einige Kollegen machen hier bereits Werbung mit einer 4 Tage Woche und haben damit eine gute Außenwirkung erzielt. Aber das müsst Ihr selbst entscheiden. Attraktiv muss es sein, sonst macht keiner mehr den Job. Viele Betriebe arbeiten auch schon mit einem Arbeitszeitkonto, so dass man seine Überstunden in Freizeit einlösen kann. Aber dies sind nur Beispiele.Was auch immer möglich ist sollte man versuchen, denn so, wie es bisher in den meisten Läden läuft, so kommen wir nicht weiter, da sind wir uns, glaub ich, Alle einig.

Schrittweise Hitze erhöhen

Wenn Ihr merkt, dass da noch mehr geht und er langsam Feuer fängt, lasst den Kollegen ruhig an den Herd und erhöht langsam die Verantwortung. Doch mit Bedacht, nicht zuviel auf einmal, sonst geht das Schiff schnell unter und gerne auch mal was Nettes sagen. (Nennt man Lob, tut gut, unbedingt probieren!)

Regelmäßig ruhen lassen

Wie einen guten Teig sollte man auch nicht vergessen, den Kollegen regelmäßige Freitage zu geben, klingt banal und selbstverständlich, aber wie wir Alle wissen, ist es nicht!

Probieren und abschmecken

Wenn Ihr merkt, dass es langsam was wird, gebt Eurem Mitarbeiter auch mal einen Blick über den Tellerrand hinaus, zeigt ihm, wo die Produkte herkommen, geht mit ihm Bärlauch pflücken oder sucht mit ihm neue Produkte auf dem Markt. Zeigt ihm, dass es unendliche Möglichkeiten gibt, dass man, wenn man Laufen gelernt hat, vielleicht auch lernen kann zu fliegen. Macht ihm auch begreiflich, dass man in unserem Beruf alles erreichen kann, wenn man es wirklich will.

Abkühlen, Verpacken und MHD beachten

Nehmen wir an, Ihr habt es wirklich geschafft und vor Euch steht eines Abends plötzlich ein Koch am Herd. (Ihr werdet merken, wenn es soweit ist), dann ist es Zeit auch mal abzukühlen und zu akzeptieren, dass das, was jetzt da vor Euch steht, kein Auszubildender oder Hilfskoch mehr ist. Am Besten ist es, wenn Ihr gleich ein Gespräch mit ihm führt, welche Perspektiven und Möglichkeiten im Unternehmen noch vorhanden sind. Denn glaubt mir, egal wie gut ihr seid, er hört sich um; das habt Ihr ja auch.
Und wenn es denn sein soll, dass das MHD abläuft, er nach zwei, drei oder vier Jahren bei Euch ausscheidet, dann helft ihm, damit er weiter gute Erfahrungen machen kann. So, wie er sie auch bei Euch gemacht hat.

Abschließendes Zum Rezept

Wer dieses Rezept gewissenhaft verfolgt, hat es sicher auch nicht leichter, denn er muss mit Herzblut und Engagement bei der Sache sein und wird meist auch keinen Dank erhalten.

Aber es hilft auch nicht, auf den Weißen Ritter zu warten, der uns die Probleme löst, denn wir wissen Alle, der wird nicht kommen.

Doch ganz im Kleinen können wir alle weiße Ritter sein und unserer Branche einen Schritt weiterhelfen.Wenn wir nur einem Menschen den Beruf ans Herz legen können, ist das ein Koch mehr auf der Welt, der sich an die Zeit erinnern wird, als er „gebacken“ wurde und er wird dankbar zurückblicken, wenn irgendwann einmal ein Lehrling vor ihm steht.

`Gib einem Mann einen Fisch und er wird einen Tag satt, lehre ihn zu fischen und Du ernährst ihn ein Leben lang`, ist nicht von mir, ist von Konfuzius, war zwar kein Koch, aber ich finde, das passt.

Ich glaub, jetzt lass ich Euch mal backen, aber nix anbrennen lassen,

mit kulinarischen Grüßen,

Euer

Alexander Reiter

Dienstag, 10. Oktober 2017

Rahner- Die Super-Rübe! Gesund und einfach Sakrisch Guad!





Liebe Schlemmerlinge,

im Herbst gibt´s einiges zu entdecken.

Und ich meine jetzt nicht den Kürbis, Wild oder Schwammerl. Heute soll es mal um ein ganz tolle Knolle gehen, die jetzt auch Saison hat, meist aber nur ein Nischendasein fristet. Die Rahner oder für alle nicht Bayern, die Rote Beete (gibt´s auch bei Euch im Preissenland, aber wurscht)


Wenn mir früher einer Rote Beete auf den Tisch gelegt hat, hab ich mir meistens nur gedacht: „Na toll, des gibt wieder eine Riesensauerei!“ Und als Lehrling war des dann auch so.

Mit den Jahren lernte ich diese tolle Knolle aber schätzen, und dies nicht nur wegen ihres einzigartigen Geschmacks, sondern auch, weil mehr in ihr steckt, als man auf den ersten Blick vermutet.
Die Rote Beete ist nämlich eine geballte Ladung an Mineralstoffen, Vitamin C, B-Vitaminen und Provitamin A sowie Calcium, Eisen, Eiweiß, Jod, Kalium, Magnesium, Natrium und Phosphor. 



Sogar die Blätter der Roten Beete sind voll von Vitaminen.
Somit gehört die Super-Rübe zu den gesündesten Gemüsen überhaupt und kann eine ganze Menge.




Sie wirkt blutbildend, entsäuernd, immun-steigernd, anti-oxidativ, krampflösend, hilft bei Müdigkeit und wirkt sogar stimmungsaufhellend.

Sprich, die kann fast alles, außer Wäsche waschen.

Aber jetzt amoi Spaß beiseite, es gibt kaum etwas Besseres für den Körper als Rote Beete. Doch wie kocht man denn eigentlich die Rübe?



Das ist gar nicht so schwer, oiso aufgepasst:

Zuerst einmal unter lauwarmem Wasser waschen. Die Blätter am Stielansatz abschneiden, den Stielansatz aber stehen lassen (sonst laugt die Knolle beim Kochen aus)

Anschließend braucht die Knolle je nach Größe 40-50 min, bis sie gekocht ist und wird anschließend unter kaltem Wasser geschält.
Verwenden kann man sie anschließend auf unterschiedlichste Arten: Als Salat, Suppe, Beilage, Saft, Mousse, Creme, Carpaccio, zum Färben usw.

Und da wir heute so gut drauf sind, machen wir gleich mal ein Rote-Beete-Supperl. 


Und damit des ned so langweilig aussieht, hab ich des noch a bisserl sexy angerichtet, mit rote Beete Frischkäse und ein paar gekochten Rote Beete Würfeln.

Da soll noch einer sagen, Rote Beete sind langweilig!

Aber das Rezept für die Suppe ist herrlich einfach, dass bekommt Ihr daheim auch hin, also aufgepasst:

Rote Beetesupperl

Zutaten:

1 Kg Rote Beete
2 Zwiebeln, geschält und fein gewürfelt
2 EL Butter
2 Stk. Äpfel (am Besten aus dem eigenen Garten:-)
2 ltr Gemüsebrühe
0,2 ltr trockener Weißwein
0,1 ltr Sahne 

und gewürzt wird mit Salz und Pfeffer aus der Mühle

Und so geht´s 

Die Rote Beete schälen und grob schneiden. Die gehackten Zwiebeln in Butter andünsten.
Die Äpfel schälen und in Würfel schneiden, zu den Zwiebeln dazu geben und mit andünsten.

Die Rote Beete anschließend zu den Zwiebeln & Äpfeln geben und mit Weißwein ablöschen. Anschließend mit Gemüsebrühe aufgießen und weich kochen lassen.




Mit einem Stabmixer pürieren, mit Gewürzen verfeinern und mit etwas Sahne vollenden. 

Dann je nach Gusto anrichten und genießen.



Des war doch ganz einfach oder? Aber wenn Ihr es doch nicht hinbekommen solltet, dann kommt´s einfach bei mir vorbei, dann koche ich Euch was Schönes - damit Ihr nicht verhungert´s, 

Ich wünsche Euch einen wunderbaren goldenen Herbst, bleibt´s brav und genießt unsere Heimat!

Mit kulinarischen Grüßen,

Euer







Montag, 18. September 2017

Mein ganz besonderes Date mit einer Prinzessin! Wie es war? Honigsüß und höllisch Scharf!



Liebe Schlemmerlinge,

schon als junger Bua hab ich mir öfter mal gewünscht eine Prinzessin in Nöten zu retten, so mit Schwert, Rüstung und allem, was dazu gehört. So ein edles Fräulein, gerettet von mir, des hörte sich schon damals guad an!


Und wie es das Schicksal so will, wurde mein Jugendtraum heute endlich Wirklichkeit. Ich, in meiner weißen Rüstung und bewaffnet mit meinem Schwert (Kochlöffel), durfte heute die holde Maid aus den Fängen der Ratlosigkeit erretten und sie a bisserl mit meinen speziellen Genießer-Rezepten verführen.
Frohlocket Ihr Feinschmecker und für all meine Klassenkameraden von früher, die gesagt haben, Ritterspielen ist unrealistisch, ätsch, ich hatte ein Date mit einer Prinzessin!


Als die Prinzessin am Morgen unser Bayerisches Wirtshaus Der Pschorr am Viktualienmarkt betrat, erstrahlte unser ganzes Haus und begleitet von den bewundernden Blicken aller Kollegen, kam die Bayerische Milchprinzessin, Melanie Maier, dann zu uns in die Küche.
Jeder andere wäre jetzt schwach geworden, aber nicht ich (Schwitzt:-), die Edle brauchte Hilfe, jetzt war volle Konzentration gefragt.

Sogleich ging es auch schon direkt zur Sache.
Ein besonderes Gericht sollte für unsere Hoheit kreiert werden, aber mit ein bisserl mehr Glanz, viel Geschmack und halt einfach einer Prinzessin würdig!
Nichts leichter als das, Rettung naht!


Der bayerischen Milchprinzessin zu Ehren wollte ich etwas ganz Besonderes zaubern.
Doch was?
Honigsüß und höllisch scharf, fiel mir da direkt ein, als ich sie so anschaute……:-)…
meine vorbereiteten Lebensmittel auf dem Tisch für unser super Schmankerl.
So süß und scharf, wie die Prinzessin selbst. Schwierig, aber mir fiel gleich etwas ein!

Wir zaubern heute ein

Bergkäse-Muskatkürbis-Risotto mit Kastanienhonig und Chili



Und dann gibt’s noch ein ganz spezielles Winter Dessert hinterher:

Pochierte Winterbirne mit Mascarpone


Und eins sag ich Euch, wenn die Prinzessin Melanie mal loslegt, dann werden die Männer narrisch, nämlich „kuli“narisch und so war das Kreieren der folgenden Rezepte eine wahre Freude.


Und das brauchen wir für unser 

Bergkäse- Muskatkürbis Risotto mit Kastanienhonig und Chili:

Für 4 Portionen:

2 Schalotten (geschält und in Würfel geschnitten)
1 Knoblauchzehe (fein gewürfelt)
2 Chili Schoten Habanero (entkernt und fein gewürfelt)
3 El Kastanienhonig
700ml Gemüsefond
60g Allgäuer Bergkäse (wer braucht schon Parmesan…:-)
350g Muskatkürbis (geschält und gewürfelt)
50ml Olivenöl
250g Risottoreis
150 ml Weißwein (kann auch mehr sein, man muss ja probieren)
Bergsalz und Pfeffer aus der Mühle
50 g kalte Butter

Und so geht´s:

Die Schalotten, den Knoblauch, die Kürbiswürfel und den Chili in einem großen Topf mit Olivenöl anschwitzen, den Reis und den Honig zugeben und unter ständigem Rühren glasig andünsten.
Nun mit Weißwein aufgießen und bei milder Hitze unter weiterem Rühren einkochen lassen.


Dann ein Drittel des Gemüsefonds dazugeben und den Reis solange kochen lassen, bis die Körner die Flüssigkeit fast aufgesaugt haben.


Nun wiederum noch 2 Mal aufgießen und langsam weiterrühren, damit die Stärke in den Reiskörnern austritt und unser Risotto cremig macht.

Je nach Reissorte dauert der Kochvorgang zwischen 18-25 Minuten (genug Zeit für mich, um mit der Prinzessin zu flirten).



Das Risotto ist fertig, wenn das Korn außen weich und cremig und innen noch ganz leicht bissfest ist.
Anschließend schmecken wir unser Risotto mit Bergsalz und Pfeffer aus der Mühle ab, nehmen es vom Herd und rühren die kalte Butter unter.

Und nun zuletzt das Wichtigste!


Unser geriebener Allgäuer Bergkäse vollendet und adelt unsere Kreation und gibt ihr ihren unvergleichlichen Geschmack.
Nun heißt es nur noch: Sofort servieren und genießen!

Und nachdem wir gemütlich unser erstes Gericht verkostet hatten, ging es auch schon weiter mit unserer



Pochierten Winterbirne mit Mascarpone

Und das sind unsere Zutaten für 4 Personen:

Für die Birnen:  
              
4 Stück Winterbirnen (eine Pastorenbirne oder eine Gräfin von Paris eignen sich sehr gut)
250 ml Weißwein
1 Zimtstange
60g Zucker 
  
                                     
Für die Mascarponecreme:

250g Mascarpone
100g Sahne
75g Puderzucker
½ Vanillestange
1 Zitrone
2cl Birnenschnaps


Und so geht’s:

Die Birnen schälen und halbieren. Das Kerngehäuse entfernen und in Weißwein, Zucker und Zimtstange pochieren.

Wenn die Birnen weich sind, diese aus dem Sud nehmen und abkühlen lassen.

Den Mascarpone mit dem Puderzucker und dem Mark einer halben Vanillestange gut verrühren. Mit dem Saft einer halben Zitrone, Birnenschnaps und etwas Zitronenabrieb abschmecken.   
          
Die Sahne steif steifschlagen und unter die Mascarponecreme heben und für eine Stunde kaltstellen. Dann wird die Mascarponecreme in die Birnenhälften gespritzt und die beiden Hälften werden wieder zu einer ganzen Birne zusammensetzten.
  

                            
Nach Belieben dekorieren und servieren.                                                                                           
Tipp: Ein toller Effekt entsteht, wenn Ihr einen Teil der Birnen in Rotwein, den Anderen in Weißwein pochiert. Es versteht sich von selbst, dass es für die Prinzessin natürlich die zweifarbige Deluxe Version gab.              
               
Mei war des schee! Probieren, kreieren und mit der Prinzessin Melanie kochen, das war wirklich eine Schau.
Und wir glauben, dass das Ergebnis sich wirklich sehen lassen kann.

Leicht und raffiniert kommt unsere kleine Kreation daher, herausfordernd für den Gaumen und ansprechend für das Auge.
Die Milchhoheit glücklich, ich um eine kulinarische Erfahrung reicher und mein Kindheitstraum ist nun auch endlich erfüllt: Einmal eine Prinzessin retten.



Doch all das wäre nicht möglich gewesen ohne die freundliche Unterstützung von:




Melanie Maier und Jürgen Lochbihler 

So Ihr Lieben, wie Ihr seht, Träume werden doch wahr. Bleibt´s neugierig und genießt den Herbst, am besten mit unserem Schmankerl.

Mit kulinarischen Grüßen,

Euer



Freitag, 1. September 2017

Surf and Turf auf Bayrisch!



Langsam wird’s draußen wieder ein bisserl kälter und die ersten Blätter fallen von den Bäumen. 

Es wird Herbst und da es a bisserl kühler wird, zieh ich meinem heutigen Schmankerl einfach mal einen Mantel an, nämlich einen Brotmantel.

Und da ich mit dem Sommer noch nicht so richtig abschließen kann, gibt’s a bisserl von allem: Ein Bayerisches Surf and Turf sozusagen.

Kalbsvögerl mit Reherl und Garnelen gefüllt im Tramezzini Brotmantel.
Das ist gar ned so schwer, glaubt´s mir, das bekommt Ihr auch daheim hin.

Die Zutaten sind gleich erklärt:
Für 4 Personen braucht man
4x 130g Schnitzerl aus der Kalbsoberschale (dünn plattiert)
300g Reherl (Pfifferlinge, für die Nicht-Bayern unter Euch)
350g Riesengarnelen
4 Schalotten (geschält und in Würfel geschnitten)
80g Landschinken
4 Scheiben Tramezzini- Brot
1 Ei
Salz, Pfeffer aus der Mühle
Und natürlich Öl zum Braten und Butter für den Geschmack :-)

Aber was machen wir da eigentlich heute? Und was um Himmels Willen sind Kalbsvögerl? Ist das überhaupt Jugendfrei?

Die Fragen sind berechtigt, Kalbsvögerl sind kleine Kalbsrouladen, man kennt es auch als „gewickeltes Kalbfleisch“. Ganz genau kommt die Bezeichnung von ausgelöstem Kalbfleisch aus der Hachse. Da dieses von seiner Größe her wie ein kleines Vogerl ausgesehen hat, bekam es im Laufe der Zeit diesen Namen. Aber jetzt genug gschafftelt, wir legen los!


Zuerst einmal schneiden wir unsere Reherl und die Schalotten in kleine feine Würfel, die wir anschließend sehr heiß anbraten.
Hierzu ein kleiner Tipp: Wenn man Schwammerl anbrät, sollte die Pfanne immer vorher rauchen, bevor Ihr die Pilze in die Pfanne gebt. Ist die Pfanne nämlich zu kalt, beginnen die Pilze zu kochen, da sie einen sehr hohen Wassergehalt aufweisen.


Anschließend stellen wir unsere Pfanne auf die Seite und beschäftigen uns schnell mit unseren Garnelen.


Die Garnelen werden kurz gewaschen, dann geschält und der Darm an der Oberseite der Garnele entfernt. Das dauert nicht lange und ist auch schon der letzte Schritt der Vorbereitung, bevor es ans Wickeln unserer Roulade geht.


Hierzu legen wir unsere dünnen Kalbsschnitzerl auf eine Arbeitsfläche, würzen diese mit Bergsalz und Pfeffer aus der Mühle und belegen sie jeweils mit einer oder auch zwei Scheiben Landschinken.


Darauf geben wir nun unsere Pilzwürfel.

Tipp: Wenn Ihr Kalbabschnitte haben solltet, könnt Ihr daraus natürlich ein bisserl Brät machen und mit unter die Masse mischen, das macht das Ganze ein bisserl kompakter.


Auf die Schwammerl geben wir nun unsere Riesengarnelen und wickeln das Kalbfleisch ein.


Das würde eigentlich schon reichen, denn man könnte es jetzt so braten und genießen.
Aber es fehlt ja noch unser Tramezzini- Brotmantel.
Tramezzini Brot kommt aus Italien und ist entrindeter Sandwichtoast, der längs in Platten geschnitten wird.


In unserem Fall ist dieser super geeignet, um unseren Brotmantel zu machen. Dafür rollen wir ihn mit einem Nudelholz noch ein bisschen aus, platzieren darauf unser Kalbsvögerl und rollen das Ganze ein. 

Die Enden noch mit ein bisschen Eistreiche bepinseln, dann geht unsere Rolle beim Braten auch nicht auf.


Jetzt braten wir unser Schmankerl in der Pfanne an und vollenden es bei 160C° für  ca.12-15 min im Ofen.


In der Zwischenzeit noch ein paar Garnelen gebraten, denn schön anrichten wollen wir es ja auch noch; in meinem Fall gebe ich ein bisserl Kürbispüree und ein paar angebratene Pfifferlinge dazu.


Und fertig ist unser Bayrisches Surf and Turf.

So könnt Ihr Euren Lieben immer eine Freude machen, ein Glaserl Wein dazu und dann heißt es nur noch genießen.


Apropos genießen, das werde ich jetzt auch tun, ich wünsche Euch einen wunderschönen Spätsommer,

bleibt´s brav und bis bald,

Euer

Alexander Reiter