Donnerstag, 6. April 2017

Kitchen Survival! Der ganz normale Wahnsinn!

Kitchen Survival! Der ganz normale Wahnsinn!



Was für uns Köche ganz normal ist, ist für Außenstehende oft ein Buch mit sieben Siegeln.

Unser Arbeitstag!

Und wenn wir Köche dann doch mal anfangen, über unseren Alltag zu reden, schlagen die meisten Zuhörer die Hände über dem Kopf zusammen und verziehen ganz entsetzt das Gesicht.

„Oh mein Gott!“ hört man es dann vom Gegenüber. „Wieso?“ fragen wir dann ,,Heute war eigentlich noch ein guter Tag!“

Um den Alltag eines Kochs zu verstehen, muss man wissen, dass wir Getriebene sind, die meist gegen die Uhr kämpfen müssen, um am Morgen ihre Vorbereitungsarbeiten zu schaffen, damit sie anschließend den Mittagsservice unbeschadet überstehen.

Wenn das geschafft ist, geht´s meist nahtlos über in die Vorbereitungen für den Abend; um dann ab 18.00 Uhr fertig zu sein für den Dinner-Service.

Wenn man das weiß, ist man schon einmal einen Schritt weiter; klar gibt’s dann noch so kleine Nebentätigkeiten wie Bestellungen, HACCP, Bankette, Warenlieferungen, Foto Shootings, TV kochen, Sonderveranstaltungen, Caterings, Kochkurse usw., aber das   macht´s Kraut dann auch nimmer fett.

Jetzt ist es leider so, dass nicht die ganze Welt in unserem Zeitgefüge lebt und so wird man dann auch noch nebenbei von irgendwelchen tiefenentspannten Leuten zugeschwallt: „Ich koche ja daheim auch sehr gerne“, was den Blutdruck ganz leicht nach oben treibt.


Fünf Minuten später gibt dann noch der Grill den Geist auf und der Bondrucker rattert in einer Tour - Jipieeee, Hütte voll, Grill aus!

Allein das führt beim Normalbürger schon zum Herztod, wo der Koch noch seelenruhig anfängt, eine Lösung für das Grill-Problem zu finden.

Jetzt klopft einem noch im höchsten Geschäft plötzlich ein Lieferant auf die Schulter mit den Worten “Ich hab da ne Lieferung, hab die Palette mal in die Einfahrt gestellt und brauch noch ne Unterschrift“, da wird der Koch dann schon etwas unruhiger.

Doch auch das ist noch zu ertragen und es geht weiter im Mittagsgeschäft während draußen der Verkehr vor der Einfahrt irgenwie zum Erliegen kommt.

Es folgt der klassische Telefonanruf von irgendeinem Zivilisten, der nicht weiß, dass man einen Koch nicht unter dem Service anruft und der einem eine wahnsinnig wichtig Info geben will, die wir aber schon nicht mehr hören, weil wir direkt wieder aufgelegt haben.

All das führt bei uns Köchen nun zur normalen Betriebstemperatur.

Doch jetzt wird´s interessant: „Der Herr an Tisch 1 hätte gerne das Huhn, ohne Huhn, aber mit Rind, geht das?“ oder ,,Die Dame an Tisch 5 macht eine spezielle Diät und würde gerne die Speisen mit dem Küchenchef kurz durchsprechen.“

Dann ist es meistens aus, dann hilft nur noch lächeln, lächeln und nochmal lächeln, denn du kannst sie nicht alle töten!!

Das Tüpfelchen auf dem Ganzen ist dann nur noch, wenn plötzlich die Veranstaltungsassistentin in ihrem Kostümchen vor einem steht und völlig unbedarft anfängt mit „Hallöchen, ist ja ein was bisschen los bei euch. Uns ist oben ein kleines Missgeschick passiert, wir haben da eine kleine Veranstaltung vergessen!"

Meist antwortet der Koch dann nur mit „Ja und?“ Und wie immer wollen wir die Antwort eigentlich gar nicht hören, die ungefähr so lautet: „Ja, die 40 Leute sind jetzt da, 3-Gang Menü, ihr kriegt das doch hin, WIR schaffen das und ich muss jetzt los, Tschöööööö!“

Normalbürger Müller hätte jetzt bereits zum Amoklauf angesetzt, während wir Köche auch diese Herausforderung noch annehmen und erfolgreich durchstehen.

Doch auch jeder noch so verrückte Tag ist irgendwann einmal zu Ende, auf der Fahrt nach Hause fällt uns noch auf das irgend so ein Depp eine Europalette mitten in die Einfahrt gestellt hat, aber schon eine Stunde später liegen auch wir daheim im Bett.

Jetzt freuen wir uns schon in Frieden einzuschlafen, bis uns die Holde ein „Hallo Sexy“ ins Ohr haucht; ach was soll´s, was muss, des muss!

Und die Moral von der Geschichte? Wenn Euch ein Koch lange und intensiv anlächelt, lauft und lebt oder bleibt und lebt mit den Konsequenzen!

Brüder und Schwestern da draußen, Ihr seid nicht allein mit all den Verrückten, ich bin im Geiste bei Euch.

Bleibt´s brav und kocht, wie der Teufel,
Euer

Alexander Reiter

Sonntag, 5. März 2017

So ein........... Kaiserschmarrn!

So ein ………… Kaiserschmarrn!



Gestern war mal wieder so ein Tag - der war ned Fisch und ned Fleisch, aber wurscht, dann mach ich halt an Kaiserschmarrn!

In meinem Freundeskreis gibt´s da hin und wieder a bisserl Probleme beim Kaiserschmarrn. Also liebe Patricia, jetzt pass amoi auf, dann klappt des auch bei Dir dahoam.

Was wir dazu brauchen ist leicht erklärt:
Ein bisserl Liebe, eine gute Pfanne und ein bisserl Fingerspitzengefühl.


Zuerst benötigen wir folgende Zutaten:

200 ml Milch
160 g Mehl
Mark einer ½ Vanillestange
4 Eier von glücklichen Hühnern (hier trennen wir Eigelb und Eiweiß)
15 g Rosinen, in ein bisserl Rum eingeweicht
75 g Butter
80 g Zucker
1 Prise Salz und etwas Zitronenabrieb.


Und wie daraus ein süßes Schmankerl wird, erzähl ich Euch jetzt:

Wir trennen die Eier und schlagen Eigelb und Zucker zusammen schaumig, geben den Zitronenabrieb dazu und rühren anschließend das Mehl unter die Eigelb Masse bis ein glatter Teig entsteht.


Nun geben wir die Milch zu und heben zuletzt unser, mit einer Prise Salz, aufgeschlagenes Eiweiß unter unsere Masse.

Jetzt werden viele sagen "Des Eiweiß brauchts ja gar ned, der Reiter red wieder an Schmarrn!"


Aber ich sag Euch, dadurch wird der Schmarrn noch einmal so luftig!

Und wie Ihr sehen könnt ist das ganze kinderleicht, also traut Euch ruhig!


Jetzt schreit unser Kaiserschmarrn Teig aber sofort nach einer Pfanne: Die Butter in der Pfanne schmelzen lassen und den Teig ungefähr 2 cm hoch in die Pfanne eingießen.


Anbacken, Rosinen dazu geben und rechtzeitig wenden, damit er ned zu dunkel wird. Dann im vorgeheizten Ofen bei 185°Grad fertig backen.

Wenn er schön golden braun vor uns in der Pfanne liegt, ist es auch schon fast geschafft.


Wir teilen jetzt unseren Schmarrn in zwei oder vier Teile, zuckern ihn kräftig ab, geben noch a bisserl Butter dazu und lassen ihn in der Pfanne noch etwas karamellisieren.


Dann reißen wir ihn mit zwei Gabeln in Stückerl und bestreuen ihn mit reichlich Puderzucker.


Als Beilage ist natürlich Apfelkompott der Klassiker, aber auch Zwetschgen oder Kischröster passen himmlisch dazu; ich mach einfach immer gleich ein paar verschiedene, dann ist für jeden was dabei.


Und wer mag, kann auch ein paar geröstete Mandeln darüber geben oder in der Beeren-Saison einfach einmal am Schluss ein paar Erdbeeren oder Johannisbeeren einstreuen.

Eine süße Versuchung, der man aber guten Gewissens ab und an nachgeben sollte!

Und Patricia, ich freu mich schon auf eine Einladung zu Deinem ersten Kaiserschmarrn:-)

Bleibt´s brav und genießerisch,

Mit kulinarischen Grüßen,

Euer
Alexander Reiter


Sonntag, 5. Februar 2017

Die besten Wiener Schnitzel Münchens - mehr als nur ein Stückerl Fleisch!

Die besten Wiener Schnitzel Münchens - mehr als nur ein Stückerl Fleisch!



Es gibt kaum ein Gericht, bei dem sich alle einig sind, dass es wirklich und wahrhaftig einfach nur sexy, traumhaft, guad, wunderbar und echt super ist.

Doch wenn man einen Menschen im Lokal sieht, dem vor lauter Lust schon das Safterl im Mund zusammenläuft, dann kann man sicher sein, er hat ein Wiener Schnitzel bestellt.

Oh, du wunderbares knuspriges Stückerl Fleisch, wie wir dich lieben. Wenn du gut gemacht bist, ist es fast schon ein erotisches Erlebnis, dich zu genießen.

Mit knusprigen Bratkartofferln, hausgemachten Preiselbeeren und einem schönen Salaterl -da geht einem echt das Herz auf.


Aber woher kommt denn diese Liebe zum Schnitzel?

Entstanden sein soll es ja in Wien, und eine der wohl bekanntesten Entstehungsgeschichten ist die des Feldmarschalls Radetzky, der derart vernarrt in das italienische "Cotoletta alla Milanese" war, dass er das Rezept mit nach Wien an den kaiserlichen Hof brachte, und die Hofküche daraus das weltbekannte Wiener Schnitzel kreierte.

Aber in Wirklichkeit war das Schnitzel wohl ein Ergebnis der Liebe der Österreicher für gebackene Speisen. Aber wer vermag des heute noch zu sagen.

Eigentlich auch wurscht, schee, dass es das Schnitzel gibt!

Doch jetzt kommen wir zu einem viel wichtigerem Punkt, speziell für alle unsere Koch-Legasteniker da draußen. Jetzt mal aufgepasst, dann klappt das auch bei Euch.

Vorab noch mal für Alle da draußen: das Wiener Schnitzel ist immer vom Kalb und ja, das darf auch ein bisserl mehr kosten. Nix da, keine Wiederrede! Qualität kostet was!

Und Alle, die jetzt meinen „Des krieg i aber a für a paar Euro“; denen sei gesagt, dass das dann ein Schweineschnitzel „Wiener Art“ ist. Sollte es jetzt immer noch ein paar Unverbesserliche da draußen geben, die das nicht verstehen und von denen gibt´s doch immer ein paar, bitte jetzt aufhören weiterzulesen und weiter Dosenravioli und Billigschnitzel essen, Ihr habt es verdient.

Für Alle, die jetzt noch weiterlesen, gratuliere Ihr habt Geschmack!

So. jetzt lasst uns mal loslegen und kochen, also auf geht´s!

Zuerst brauchen wir mal ein schönes Stückerl Kalbfleisch, am besten eine Kalbsoberschale, wie hier im Bild zu sehen.


Und wie bei einer schönen Frau ziehen wir unsere Kalbsoberschale erstmal aus bzw. ab, nämlich den Deckel.



Danach parieren wir das Fleisch und schon kommt unsere wunderbare Oberschale zum Vorschein. Eine echte Schönheit, wie ich finde.


Und weil wir nichts verschwenden, auch das ist Teil eines respektvollen Umgangs mit dem Tier, machen wir aus den Abschnitten scheene Kalbspflanzerl oder ein anderes Schmankerl.


Jetzt schneiden wir uns ein schönes Schnitzerl runter und klopfen es etwas, würzen es und panieren es mit Mehl, Ei und frischen Semmelbröseln.


Dann kommt der schönste Teil! Wir backen unsere Schnitzel in Butterschmalz und schwenken dieses in der Pfanne, bis die Panade wunderbar luftig aufgeht.



Am Schluss noch ein bisserl frische Butter dazu und nochmals aufschäumen lassen, bis die Schönheit in all ihrer Pracht golden braun vor uns liegt.


Jetzt noch die Beilagen dazu und schon beginnt das Genießen!

Doch eine Frage wäre damit noch nicht geklärt, wo gibt’s denn jetzt hier bei uns die besten Wiener Schnitzel?


Diese Frage ist schwer zu beantworten, aber der Schlemmeronkel und ich waren wieder einmal im Auftrag des Herrn unterwegs und haben für euch unten unsere Top Locations in München, Österreich und der Schweiz aufgelistet.

Trommelwirbel und die besten Wiener Schnitzel in München, und hier gibt´s wirklich nur erste Plätze, sind wie folgt:

Wirtshaus Ayinger am Platzl
Der Pschorr am Viktualienmarkt
Gutsgasthof Stangl Neufarn
Grünwalder Einkehr
Schnitzelwirt im Spatenhof.

Sollten wir jetzt jemanden vergessen haben oder jemand glaubt, wir hätten ihn erwähnen sollen - wir kommen natürlich gern zum Probieren vorbei, aus rein professionellen Gründen versteht sich:-)

Zum Schluss noch ein paar ganz besondere Empfehlungen für Alle, die das Wiener Schnitzel wirklich lieben!

Ein ganz besonderer Tipp vom Schlemmeronkel Herbert ist das Wiener Lokal Figlmüller in der Wollzeile. Die Heimat des Wiener Schnitzels nennen es auch viele und unser Herbert hat dort das beste Wiener Schnitzel seines Lebens gegessen.

Ein kleiner Tipp von mir wäre das Old Swiss House in Luzern. Hier gibt´s seit 70 Jahren das beste Schnitzel der Schweiz und es wird auch noch in einer Kupferpfanne am Tisch gebraten, der absolute Hammer! Auf der Karte steht´s Französisch - das hört sich eh immer alles viel erotischer an und macht irgendwie auch mehr Glust, wie wir Bayern sagen würden.

"Escalope de Veau a´la Facon du Patron".  Oh mein Gott, ich muss da unbedingt bald wieder hin!

Last but not least ein echter Geheimtipp und der absolute Favorit meiner Frau Nicole. Das Restaurant Meyers Keller in Nördlingen. Ein hauchdünner Traum von einem Wiener Schnitzel, das einem auf der Zunge zergeht. Beste Fleischqualität gepaart mit einem wunderbaren Ambiente, mehr geht einfach nicht!

Wie Ihr nun alle erkennen könnt, ist das Wiener Schnitzel nicht einfach nur ein Gericht, nein, es ist weitaus mehr als das, es ist ein Stückchen kulinarische Kultur.

Schaut bitte weiter über den Tellerrand, über das unser Wiener Schnitzel manchmal sogar drüberhängt, und bleibt neugierig, hungrig und genießerisch.

Mit kulinarischen Grüßen

Euer

Alexander Reiter

Montag, 2. Januar 2017

Was sind die Food-Trends 2017

Was sind die Food-Trends 2017


Jetzt sind sie vorbei, die Feiertage. Vorbei die Zeit der Lichter und Genüsse, der Düfte und Verführungen.
Doch was gibt´s Neues 2017?

Viele der Trends aus dem letzten Jahr werden uns weiter begleiten; so ist der Street Food Trend weiter auf dem Vormarsch und wir können gespannt sein, was hier noch alles auf uns zu kommt.

Regional, nachhaltig und gesund darf´s auch im neuen Jahr wieder sein, wobei ich die Rückkehr der Regionalküchen weniger für einen Trend halte, als mehr für ein Rückbesinnen auf Bewährtes. Mich freut`s aber trotzdem sakrisch.

Was wirklich auf uns zukommt, sind die jährlich neuen Superfood- Knaller.

Dieses Jahr werden wohl viele von uns Moringa kennen lernen, eine der eiweißreichsten Pflanzen überhaupt. Sie wird bald wohl als alternative Eiweißquelle für unsere vegetarischen und veganen Freunde den Speiseplan bereichern.
Des weiteren werden wir die Baobab kennen lernen, die Frucht des Affenbrotbaumes.

Doch was sehr bald zu uns herüberschwappen wird, ist der Birkenwasser Trend aus Osteuropa, der in Russland bereits das IN Getränk des vergangenen Jahres war.
Tja, wer´s braucht - Prost!

Toll wird der nächste Trend, der bei den Vegetariern vor der Tür steht. Die Jackfrucht. Noch nie gehört? Kein Problem, denn das wird sich sicher bald ändern! Eine tolle Frucht und eine echte Bereicherung auf der Speisenkarte.

Doch mein Lieblingstrend 2017 wird wohl das Sous Vide Garen. Hier steig auch ich mit ein und werde versuchen, einfach mal mehr aus meinen Gerichten rauszuholen. Ein Mehr an Vitaminen und Nährstoffen nämlich, das bei diesem sehr schonenden Vakuum Garverfahren besonders im Vordergrund steht. Des weiteren ist die Haltbarkeit der Lebensmittel hier ein großes Thema, sowie die Entwicklung der Aromen.
Eine tolle Sache, wie ich finde!

Eingelegte Gemüse erleben dieses Jahr ihre Renaissance, was ich sehr begrüße, denn ich liebe es einzuwecken!

Sonst gibt es noch einen spannenden Trend, den meine Frau grad mit viel Freude ausprobiert und den man auch das Comeback der Urgetreidesorten nennen könnte: Emmer, Dinkel und Einkorn sind wieder stark im Kommen und man darf gespannt sein. Also bei mir daheim ist dieser Trend schon voll angekommen!

Und die Liebe zum Hausgemachten geht weiter, was ich sehr schön finde, denn scheinbar besinnt man sich doch wieder mehr auf das besondere Gefühl, das man empfindet, wenn man selbstgemachtes  genießt und die Freude, die man bei Kochen empfindet.

Ich glaub das wird ein tolles 2017 und ich freu mich schon sehr drauf, sprichwörtlich alles in mich aufzunehmen.
Und was soll´s, dann nehm ich halt noch ein paar Kilos zu, aber jedes Kilo reiner Genuss, soviel ist sicher.

Also in diesem Sinne,

bleibt´s neugierig und genießt das neue Jahr,

mit kulinarischen Grüßen,
Euer Alexander Reiter


Sonntag, 11. Dezember 2016

Franzls Weihnachtswunder



Franzls Weihnachtswunder



Es war wieder Weihnachtstag. Der Schnee glitzerte auf den Dächern der Häuser und die Straßen waren fast menschenleer.
Nur Franzl war draußen und ließ sich die Sonne auf die Nase scheinen. Seine Eltern waren zum Einkaufen weggefahren, und um Tante Trude vom Zug abzuholen. Die wie jedes Jahr bei ihnen die Weihnachtstage verlebte.

 Franzl sollte derweil den Schnee aus der Einfahrt wegräumen, was auf den ersten Blick nach einer Menge Arbeit aussah; weswegen er erstmal ein bisserl in der Nachbarschaft spazieren ging.

Den Nikolaus hatte er ja ganz gut überstanden, dachte er so bei sich und war froh, dass dieser ihn nicht in seinem Sack mitgenommen hatte. Aber er hatte sich da schon allerhand anhören müssen von dem alten Typen!

Lausbub und nur Blödsinn im Kopf und noch viel mehr! Der hatte so rumgeschimpft, dass man hätte meinen können, es zerreißt ihn gleich. Und wenn sich das nicht bessern würde, so sagte er, nähme er den Bub im nächsten Jahr einfach mit! „Überhaupt, der hatte eh keine Ahnung; der mit seinem roten Mantel kann sich schleichen, aber echt!“ motzte Franzl still vor sich hin.

Aber der Nikolaus hatte auch was von Nächstenliebe gesagt und dass er, Franzl, schauen sollte, dass er sich auch mal um andere kümmere und nicht nur um sich selbst.

„Was meint der wohl mit Nächstenliebe, der dickwammperte  Oide?" - wie er so nachdachte und durch die verschneite Nachbarschaft streifte, bemerkte er, dass viele der Nachbarn allein in ihren Wohnungen saßen und aus den Fenstern schauten. So wie der Huber von gegenüber, der ihm immer mit dem Besen nachlief, wenn er wieder mit dem Fußball gegen Huber`s Garagentor hämmerte. Oder die Frau Schwabl, die den ganzen Tag ihre Rosen im Garten schnitt - ein Wunder, dass da überhaupt noch was zum Schneiden da war so oft, wie die das machte!

Liebe deinen Nächsten hatte der rotnasige Zipfe gesagt. Mmmhh, des musste es sein... Die Nächsten zu uns san die Nachbarn. Oiso, liebe deine nächste Nachbarschaft!

Jetzt war ihm sofort alles klar und es formte sich ein Plan in seinem Kopf. Dem Nikolaus würde er es zeigen! Der nimmt mich nicht mit in seinem Sack der Viehtreiber, der windige! Dem werden die Augen ausfallen, wenn er sieht, wie brav i bin, dann steck ich den in den Sack!

Schnell lief er durch den Schnee und klingelte an der ersten Tür.
Da stand er jetzt, der Franzl, mit seinem dicken Cristkindlpullover und der Wollmütze mit Rentiergeweih vor der Tür vom Huber.

Er klopfte an und als geöffnet wurde, begann er gleich aus voller Kehle zu singen „Bei mir dahoam ist Weihnacht heut und feiern tun heut alle Leut, so pack dei Zeug und komm schnell mit, denn es gibt Plätzchen, Glühwein und Bisquit“.

So falsch er auch sang, dem Huber traten die Tränen in die Augen und er konnte sich des kleinen Buben mit seiner Rentiermütze nicht erwehren. Schnell schnappte er sich seine dicke Jacke und folgte dem Franzl von Haus zu Haus.

 Nach und nach sammelte Franzl so alle Leute aus der Nachbarschaft ein und als er seiner Meinung nach alle Nächsten" zusammen hatte, lief er mit seiner kleinen Weihnachtsprozession direkt nach Haus. Dort bewirtete er sie mit Plätzchen und Glühwein, trug Mamas vorbereitete Würstel und den Kartoffelsalat ins Wohnzimmer und schaltete die Musik ein.

So sangen sie bald alle zu den Weihnachtsliedern und Herr Huber und Frau Stangl wagten sogar ein Tänzchen miteinander.

Draußen vor dem Haus waren grad Franzls Eltern mit Tante Trude im Gepäck in die Einfahrt gebogen und als sie von außen, sahen was im Haus so vor sich ging, saßen die drei wie versteinert mit offenem Mund im Auto und sagten nur alle gleichzeitig „Oh Gott, Franzl!“

Als sie die Haustüre öffneten kam ihnen als Erstes sofort Frau Schmidt entgegen, fiel allen drei in die Arme und sagte „Frohe Weihnachten und vielen Dank für die Einladung!“ Franzls Vater stammelte nur „Einladung?“ und Frau Schmidt fuhr fort mit „Und dass Sie den Franzl vorbeigeschickt haben uns alle einzuladen, mei, was für ein Engerl Sie da haben. „Ein Engerl? Der Franzl?“ wiederholte der Vater ungläubig. „Ja und wie er uns bewirtet hat, mei all die guten Sachen, oiso das ist für uns alle das schönste Weihnachtsfest seit langem, ein Geschenk des Himmels“; mit diesen Worten drückte Frau Schmidt Franzls Vater nochmal so fest, dass ihm fast die Luft wegblieb.

Tante Trude hatte ihre gesamte Gesichtsfarbe verloren, genauso wie Franzls Mama, die sich ähnliche Lobpreisungen auf den kleinen Lausbuben anhören durften und beide hielten Ausschau nach dem Urheber der ganzen Partygesellschaft.

Dieser kam gerade mit einem Teller Äpfeln und Nüssen aus der Küche die er auf dem Wohnzimmertisch abstellte, sah seine Eltern und rannte mit strahlenden Augen direkt auf sie zu.

„Mama, Papa! Schön, dass ihr endlich da seid! Schee, jetzt können wir mit allen zusammen feiern!“.

Die beiden knieten sich zu ihrem kleinen Bub hinunter und fragten ihn: „Franzl, wie bist du denn auf die Idee gekommen?“. Franzl stemmte die Hände in die Hüfte und begann seinen Plan zu erklären „Der Nikolaus hat gesagt, dass er mich in seinem Sack mitnimmt, wenn ich mich nicht mehr um die Nächstenliebe kümmere. Nur, jetzt kann er mich nicht mehr mitnehmen, denn alle Nächsten sind bei uns dahoam! Aber Leut, ich hab jetzt keine Zeit für Euch, der Kaffee läuft grad durch für den Huber!“.

Mit diesen Worten drehte sich Franzl um und lief zurück in die Küche. Die Eltern schauten sich gegenseitig an und konnten nicht anders als zu schmunzeln, denn seine kindliche Logik war einfach unschlagbar.

Und als sich die Beiden so umschauten und die glücklichen Gesichter sahen und die Freude um sich herum spürten, merkten sie, dass Franzl, wenn auch aus anderen Beweggründen, den Weihnachtsgedanken auf wunderbare Weise umgesetzt hatte; christliche Nächstenliebe, die in unserer Gesellschaft so rar geworden ist.

Als Franzls Vater das begriff, war er unendlich glücklich und eine Träne kullerte ihm über die Wange, die seine Frau liebevoll mit einer kleinen Handbewegung wegwischte „Er ist halt doch ein Engerl unser Franzl“. Tante Trude, die sich in der Zwischenzeit von dem Schock erholt hatte, kam mit einer Flasche Eierlikör und drei Gläsern zu den beiden und meinte, “Kommt, jetzt stoßen wir erst einmal an, der ist auch selbst gemacht“.

So wurde das Weihnachtsfest bei Franzl zum schönsten, dass sie je hatten. Man feierte zusammen und fühlte regelrecht den Geist der Weihnacht, der die Herzen erhellte und Franzl wird wohl nicht in den Sack gesteckt, vorerst jedenfalls nicht.

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Also lasst den Button glühen, denn helfen kann man überall und wie wir dank Franzl gesehen haben meist schon vor der eigenen Haustür.

Euch Allen eine gesegnete Weihnacht und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017,

mit kulinarischen Grüßen,


Euer Team vom Schlemmerblog Herbert Hörnlein und Alexander Reiter mit unserer Gastbloggerin Nicole Savels.