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Samstag, 16. Juli 2016

Granteln 2.0 - das macht mich kuli-narrisch!!

Granteln 2.0 -  Das macht mich kuli-narrisch!!


Ich Grantel ja normalerweise nicht rum, aber heute muas des einfach mal sein.
Liebe Gäste, die meisten von Euch sind wunderbare Kunden und hochgeschätzte Gäste für uns, die sowohl unsere Speisen, als auch unseren Service zu schätzen wissen und dafür ein herzliches Dankeschön.
Leider gibt es aber in der Hotellerie und Gastronomie nicht nur nette Gäste und daher möchte ich mich heute einmal ausgiebig diesem Teil der Gästeschicht widmen.

Da es jetzt gleich ein bisserl deftiger wird, bitte ich jetzt alle Zartbesaiteten, die sich nicht meinen Kraftausdrücken hingeben wollen, jetzt aufzuhören, diesen Blog zu lesen.
 Damit es leichter wird, habe ich mir erlaubt, mir die einzelnen Gästetypen in Kategorien einzuteilen.

Da gibt es zu allererst den Typ „Bösartiger Schreihals“ 
Der bösartige Schreihals ist eine besondere Spezies, der meist mit einer recht zurückhaltenden Frau auftaucht. Er ist auch zuhause der Pascha und glaubt, er kann sich überall aufführen, wie der letzte Depp. Wenn er loslegt, bleibt kein Auge trocken, meist beleidigt er zuerst auf´s Brutalste seine Servicekraft und dann lässt er sich grundsätzlich den Küchenchef kommen. Bei diesem will er dann genauso weiterbrüllen, was aber meistens nicht so funktioniert, wie er das gerne hätte, denn der Bösartige Schreihals hat einen Nachteil, er ist meist so blöd, wie die Nacht dunkel.

Meist beschwert er sich über die Qualität des Essens, das er aber zur allgemeinen Verwunderung restlos aufgegessen hat. Er ist ein durch und durch böser Charakter, dessen einzige Intension es ist, Menschen zu schikanieren. Wir verhalten uns natürlich auch hier immer professionell und freundlich, aber nach dem Motto „Die Gedanken sind frei“, geht uns meist folgendes durch den Kopf:

`Was fällt dir ein, dass du hier rumbrüllst und den ganzen Laden zusammenschreist, du Volldepp. Woher nimmst du Pfosten das Recht die Mitarbeiter anzuschreien und zu beleidigen. Wer gibt dir das Recht hier den Pascha raushängen zu lassen. Wenn du keinen verdammten Anstand im Leib hast, geh nicht Essen, bleib daheim und sei froh, dass dir deine Frau noch nicht weggelaufen ist, denn du bist ja sicher daheim nicht besser, du Spack.

Dies und noch viel mehr spielt sich natürlich alles nur in unseren Gedanken ab. Nach außen hören wir diesem Primaten aufmerksam zu und wenden uns anschließend wieder unserer Arbeit zu.

Aber das ist nicht der einzige Typ, den es gibt. Der nächste und nicht minder schwierige ist der Typ „Ich kenne Ihren Chef“ - dieser Gästetyp ist etwas ganz Besonderes, denn er kündigt bereits bei der Reservierung an, dass er einem das Leben zur Hölle machen möchte. Er bestellt seinen Tisch mit den Worten „Ich kenne den Chef persönlich“, der bei näherem Nachfragen noch nie von der Person gehört hat, aber auch egal. Dieser Gast besticht durch seine Unverschämtheit, sich wie der Hausherr aufzuführen und den Service bis zur Weißglut zu treiben. Er erzählt hierbei dann Geschichten und hält Monologe über dies und das und findet eine höllische Freude daran, die Servicekraft dauerhaft eines Besseren zu belehren. Beim Essen findet er natürlich auch immer etwas auszusetzten, aber das wusste man natürlich bereits schon vor der Bestellung. Küche wie Service haben alle Hände voll zu tun, weil er es schafft, alle paar Minuten eine neue Änderung zu haben. Wenn ihm irgendetwas nicht passt, kommt natürlich sein vermeintlicher Trump „Das wird Ihr Chef erfahren, Sie werden schon sehen was Sie davon haben…..blabla“.

Was wir natürlich ruhig und still hinnehmen, denn wir sind Profis. Die stillen Gedanken in diesem Fall hören sich meist so an:
`Bitte bleib zuhause und komm nie wieder!! Keiner kennt dich, weder der Chef noch sonst irgendwer hat dich hier schon mal gesehen, aber du führst dich auf wie der Kaiser von China. Wir laufen uns hier die Hacken wund und du findest an allem etwas auszusetzten. Wenn es dir nicht passt, geh und kauf dir was Schönes und bleib daheim, du arroganter Pfeifenkopf. Wenn es nur solche wie dich gäbe, bräuchten wir für jeden Gast fünf Mann Personal. Möge der Blitz sie treffen, wo sie hingehen, um ihre Notdurft zu verrichten, eure Durchlaucht. 

Natürlich gibt es auch einfachere Fälle, wie den Typen „Ich bin Allergiker und brauche eine 24std rundum Betreuung“, der dann nach umfassender Studie der Karte, minutenlanger Betreuung durch den Küchenchef und vielem mehr dann meist zu 99% sagt „Ich nehm dann einen kleinen Salat und einmal den Zander mit der Krustentiersauce“, obwohl hier nach eigener Aussage mehrere Allergien vorliegen, welche auch in der Karte gekennzeichnet sind. Wenn man ihn dann darauf aufmerksam macht, sagt er nur „Des geht heut schon amoi“.
Hierzu fällt meist nicht mal mir was ein, außer vielleicht „Oh Herr, hilf“.
Der nächste Fall ist da schon wieder ein bisserl schwieriger, nämlich der „Wo bleibt mein Essen“ Typ. Dieser Gäste Typ ist ein Primat Marke „Australopeticus robustus“. Man behauptet ja die Evolution hätte uns weiterentwickelt, aber ich glaube das nicht so ganz, denn Einige der wirklich primitiven Menschenrassen existieren noch immer.

Dieser Typ setzt sich ins Restaurant, bestellt ein Filetsteak und beginnt nach zwei Minuten zu rufen    „Wo bleibt mein Essen, ich warte schon seit einer halben Stunde“. Erstens sind 2 Minuten keine halbe Stunde, zweitens steht die Zeit der Bestellung auf dem Bon und drittens dauert ein Filetsteak länger als drei Minuten du irrer Vollhonk. (Denk ich mir natürlich nur)

Dieser Gästetyp hat übrigens einen Bruder. Der heißt „Ich bin mit einer Gruppe unterwegs, komme 1 Std zu spät will, aber sofort mein Essen!“ Ähnlich dumm und definitiv eine verwandte Art. Zu dieser Spezies gehört auch der „Ich bin in einer Gruppe unterwegs, habe vorab meinen Hauptgang auswählen müssen, kann mich aber jetzt nicht mehr erinnern, was das war.“
Es gibt so viele andere noch, wie z.B. den „Ich koche ja auch Zuhause“, den orientalischen „alles auf den Boden“ Gast oder den allseits beliebten Lieblingsgast von Küche und Service, den Mac Gyver der Gäste, den „Ich stelle mir meine ganz eigenen Gerichte zusammen!!“.
Das Dienstleistungsgewerbe hat uns gelehrt immer freundlich und höflich zu sein, egal was passiert, doch sollte ein Gast auch wissen, wie man sich als Gast benimmt.

Ansonsten, liebe Nörgler und Besserwisser, liebe Unzufriedene und Life Style Hipster, liebe Flexitarier und möchte gern Promis:  Lebt Euer Leben, so traurig es auch sein mag, aber lasst uns in Ruhe die Gäste bedienen, die wir lieben und schätzen. Wir arbeiten gerne in einer Dienstleistungsbranche, aber Eure Eigenarten machen es uns nicht leicht, Euch dennoch einen perfekten Besuch zu ermöglichen oder dies zu versuchen.
Kleiner Tipp, trefft Euch alle in einem Raum, tief unter der Erde, macht das Licht aus und schmeißt den Schlüssel weg!
Jetzt fühl ich mich schon viel besser,
mit kuli-narrischen Grüßen,

Alexander Reiter 

Samstag, 18. Juni 2016

Megatrend Street Food in aller Munde!

Megatrend Street Food - in aller Munde!


Street Food ist ja momentan sprichwörtlich in aller Munde. Aber was ist denn eigentlich dran am Megatrend und woher kommt der Hype um den schnellen Snack?

Street Food gibt es eigentlich schon immer. 
Überall da, wo Menschen arbeiten und feiern, leben und es sich gut gehen lassen.
Entstanden ist  Street Food wohl auf den kleinen Märkten an den einfachen Ständen der Händler am Straßenrand, schon lange bevor wir uns darüber Gedanken gemacht haben.


In Asien beispielsweise finden Sie in jeder Stadt die kleinen rollenden Garküchen, an denen Ihnen die frischen Köstlichkeiten zubereitet werden.
Das geht dann von kandierten Früchten über frittierte Speisen, Nudeln und allerhand Fleischgerichten. Meist sind die Gerichte sehr lokal und eben immer speziell auf die Bedürfnisse der Kundschaft abgestimmt.


So findet man in einigen Regionen Insektenspieße genauso auf der Karte, wie frisches, gebackenes Obst.
Wenn´s der Kunde wünscht, wird´s gemacht. Angebot und Nachfrage bestimmen das Geschäft und die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Im Orient sind die Street Food Stände eine der Anlaufstellen für die Menschen und es bilden sich Trauben an den Ständen und auf den Basaren. Nicht nur um zu Essen, nein, das soziale Leben und der Plausch mit dem Nachbarn wird gleich noch mit erledigt.


In Zentralafrika wird gerne auch am  Straßenrand die Ware angeboten und erreicht so ihre Kunden. Grundsätzlich wird überall verkauft was da ist; von Bushmeat bis zum Hirsebrei.

Doch das Interessante daran ist die Vielfalt. Köche, wie ich, können nie an einem Stand vorbeigehen und ich muss einfach in die Töpfe schauen. Wenn die Mama in der Karibik am Straßenrand allerhand Zutaten in ihrem Topf zubereitet, der über einem Ölfass köchelt, kann ich einfach nicht anders, als stehen zu bleiben und zu probieren; nicht immer zur Freude meiner Frau.


So hat jedes Land seine ganz eigene Street Food Kultur möchte ich schon fast sagen, die für mich auch ein bisschen die Identität und Lebensfreude der jeweiligen Region wiederspiegelt.

Doch eines haben alle gemeinsam, es muss schnell gehen und schmecken. So ist dieser Trend eigentlich wie für unsere Zeit gemacht, obwohl er schon viel älter ist, als der Schlips tragende Banker an der Ecke, der schnell mal was auf die Hand essen möchte.


Serviert wird meist in Schalen, Schüsseln oder auf Blättern. Bevorzugt werden Schälchen aus Papier oder Pappe hergenommen oder man bekommt die Speisen auf Holzspießchen angeboten.

Nach einer Studie der FAO aus dem Jahre 2007 ernähren sich täglich bis zu 2,7 Milliarden Menschen mit Street Food, was wohl mehr als beeindruckend ist, denke ich.

Letzte Woche hatte ich auch mal die Möglichkeit ein bisserl Street Food zu machen, was mir sakrisch viel Spaß gemacht hat. Mit den tollen Kollegen von Chefs Culinar ging es beim „Münchner Streetfood Day“ am Nockherberg so richtig zur Sache. 
Hier war ein richtiger Markt aufgebaut und an den einzelnen Ständen wurde gebruzelt, was das Zeug hält.

Ich durfte an diesem Tag als Gast Koch a bisserl mitwurschteln und hab natürlich das Ganze a bisserl Bayerischer interpretiert. 
Bei mir gab es Bavarian Crossover mit einen Kalbsbackerl-Burger mit Spargel und Australisches Flank Steak mit Zwiebelmarmelade und  Kräuter-Bergkäseknödel.

Und so wurde hier richtig Gas gegeben. Surf and Turf Rolls und Indien Pulled Lamb in Chapati Brot oder Pastrami von der Rinderbrust, alles in kleinen Portionen, wo man gerne nicht nur eine von „probierte“.


Es war ein wunderschöner Tag und ich hatte eine Menge Spaß. Vielen Dank nochmal an die Kollegen von Chefs Culinar, die mit viel Liebe zum Detail und tollen Ideen diesen Event auf die Beine gestellt haben. Ihr rockt Leute!

Wer auf der Welt unterwegs ist, sollte sich auch mal trauen, in die Töpfchen am Straßenrand zu schauen, denn vielleicht findet er gerade hier den unvergesslichen Geschmack.

In diesem Sinne, liebe Schlemmerlinge, bleibt neugierig und hungrig,

Euer

Alexander Reiter

Samstag, 4. Juni 2016

Vive la France! Der ultimative EM- Burger

Vive la France! Der ultimative EM-Burger

Nur noch eine Woche, dann geht´s endlich los mit der EM in Frankreich. Und damit es auch daheim ein bisserl Französisch zugeht, hab ich mir mal was anderes ausgedacht.
Zugegeben, sonst schmeiß ich auch meine Würstl und eine halbe Sau auf den Grill, aber das wird mir jetzt auf die Dauer doch zu langweilig.
Also rein in die Küche und ran an meine Mission EM Burger!

Anstatt einem Burger Brötchen nehm ich jetzt erst mal ein Baguette. Das toaste ich so richtig knusprig, dann ist das schon mal richtig guad.

Die Basis für den Burger bildet natürlich 100% iges Rinderhack, schön mager und eine richtige Männerportion. So 300g Fleisch darf das schon sein. Ein bisserl mit Fleur de Sel und schwarzem Pfeffer aus der Mühle würzen, sowie etwas frischem Oregano und Knoblauch. Dann machen wir daraus scheene Burger Pflanzerl.

Ansonsten haben wir noch folgendes auf dem Burger:
Eine Sauce aus körnigem DijonSenf, Mayonnaise und Honig und gehackten Röstzwiebeln ist sozusagen das Fundament, mit dem das Baguette bestrichen wird.

Darauf kommt Romana Salat, Tomate, rote Zwiebeln und ein paar Scheiben Salatgurkerl. Hollandaise, Speck, Preiselbeeren und Brie runden dann am Schluß den Burger ab; wie, dazu später mehr. 

Und dann geht´s auch schon los: Ab mit dem Pflanzerl auf den Grill und richtig heiß anbraten; ich will es natürlich innen noch schön rosa haben und brate es daher kurz und richtig heiß an.

Dann ab in die Pfanne, den französischen Brie drauf und im vorgeheizten Backofen fertig ziehen lassen, wo der Käse dann wunderbar schmilzt.

In der Zwischenzeit hab ich kurz eine Hollandaise gemacht (wie die geht, hab ich Euch ja bereits in einem meiner letzten Blogs erklärt, da könnt ihr das auch nochmal nachlesen)


Und was natürlich nicht fehlen darf ist Speck, schön kross gebraten, die Preiselbeeren kommen auf den geschmolzenen Käse und frische Kräuter für das Aroma.

Ich glaub, der Burger kann sich wirklich sehen lassen, da bleibt kein Auge trocken und ich verspreche Euch, dass Ihr damit bei euren Freunden Punkten könnt. Es sein denn, die sind Vegetarier oder faseln was von "Low-Carb", wie meine Frau zur Zeit. 

Ein paar coole Drinks, den ultimativen Burger und mit viel guter Laune geht´s dann für Euch direkt ins Finale!

Also in diesem Sinne, bleibt´s hungrig lasst es krachen und unterstützt unsere Jungs!

Euer

Alexander Reiter

Dienstag, 24. Mai 2016

2055- Die Geschichte vom letzten Koch

2055 - Die Geschichte vom letzten Koch


Es war der letzte Abend gewesen; er hatte, wie immer, alles aufgeboten, was sein alter Körper noch zu leisten imstande war und kochte auch an diesem Abend noch einmal mit allem, was ihn sein Leben lang ausgezeichnet hatte.

Mit viel Liebe zum Detail und der Hingabe eines wahren Meisters zauberte er an diesem Abend noch einmal in höchster Vollendung seine Kreationen auf die Teller.
Wohl noch bewusster als sonst, da ihm klar war, dass es das letzte Mal sein würde.
Morgen würde hier ein weiteres dieser gesichtslosen System-gastronomischen Restaurants entstehen - mit seinem vorgefertigten Gastro-Konzept, das so austauschbar war, wie un-inspiriert.

Aber scheinbar war das einfach eine andere Zeit, in die er nun nicht mehr hineinpasste.

Wir hatten nun das Jahr 2055 und als er seine Gedanken so zurückschweifen ließ, erfasste ihn sofort wieder die alte Leidenschaft, die sich durch sein ganzes Leben gezogen hatte.
In seiner Lehre und den anschließenden Wanderjahren schwärmte er von den großen Meistern, verehrte sie sogar und kämpfte sich unaufhörlich durch die besten Restaurants und Hotels, immer auf der Suche nach neuen Rezepten und Aromen. Getrieben vom Ehrgeiz und dem unbedingten Willen nach Erfolg lernte er das Leben eines Kochs kennen und lieben.

Im Laufe der Jahre merkte er jedoch, dass sich etwas änderte in seiner Branche. Es gab immer weniger Köche, was eine Entwicklung in Gang setzte, die er so nie für möglich gehalten hatte.
Hotelkonzerne stellten ihre Betriebe immer mehr auf Convenience um und standardisierten was das Zeug hielt; verkauft wurde es den Küchenchefs als Konzept und zur Qualitätssicherung. Fakt war, dass Fertigware warm gemacht wurde, die überall gleich schmeckte.

Da hier natürlich nicht mehr frisch gekocht wurde, leidete die Ausbildung stark und die Qualität der Köche sank mehr und mehr. Die Arbeitszeiten wurden nach wie vor nicht eingehalten, weil es ja nicht mehr genug Köche gab. Da mussten die übrigen einfach mehr tun und wer das nicht wollte, musste gehen oder wechselte von selbst in die Industrie.

Auch vor den Sterne Küchen machte dieser Trend nicht halt. Die ehemaligen Spitzenrestaurants mit ihren Köchen wurden geschlossen und durch kostengünstigere Trendkonzepte ersetzt.

Die Sterne Köche selbst mussten nach neuen Wegen suchen, um zu überleben, da auch hier Köche allmählich zur Mangelware wurden. Entweder stellten sie ihre Restaurants auf Casual Dinning um oder sie versuchten sich als Berater oder Entwickler für neue Speisekonzepte bei der Industrie. Manch einer versuchte auch übers Fernsehen genug Geld zu verdienen, um sich sein Restaurant noch weiter leisten zu können.

Um 2030 dann drehte sich die Spirale immer schneller, fast alle letzten echten Restaurants mussten die Segel streichen und die Gastro-Landschaft begann sich neu zu ordnen.
Ohne das der Kunde es merkte, waren wie über Nacht nur noch standardisierte Restaurants und Hotelkonzepte auf dem Markt, die voll auf die, von der Industrie, produzierten Speisen setzten.

In einigen von ihnen kamen Teile der Speiseproduktion aus dem 3 D Drucker, erstellt mit einem Nahrungsbrei, der dann nach der Formgebung aushärtete. Die Schreckensvision aus Louis de Funés „Brust oder Keule“ war Wahrheit geworden.
Köche waren nur noch „Aufwärmer“ und wurden mit Hungerlöhnen abgespeist, was dem Beruf endgültig den Todesstoß verpasste. Meist wurden diese Tätigkeiten auch nur noch von Hilfskräften ausgeführt.

Die letzten verbliebenen Küchenchefs waren lediglich Verwalter ihrer Küchen und die jährlichen Küchenchef Meetings der Konzerne waren zu einer Produktpräsentation der Industrie verkümmert, in denen man sich nur noch darüber unterhielt welches Gericht der beiden Fertigspeisen wohl das bessere wäre. Wo sich früher über Rezepte ausgetauscht wurde und man die Freude am Kochen zelebrierte, trafen sich jetzt nur noch ein paar Marionetten der Lebensmittelindustrie ohne Berufs-Ehre.

Hätte man sie gefragt, hätten sie wahrscheinlich geantwortet „Was soll ich denn machen, ich habe ja keine ausgebildeten Leute mehr und außerdem ist das ja viel wirtschaftlicher“.
Wohl wahr, aber sich mit seinem Schicksal abfinden und den Kopf in den Sand stecken, ist wohl auch nicht die Lösung gewesen. Erbärmlich, wie man für alles immer eine Ausrede finden kann.

2040 fiel dann der letzte große Stein im großen Lebensmittel Roulette. Bis auf ein paar wackere Köche, die in ihren Restaurants aushielten, war die Restaurant und Gastro-Welt zu 100% standardisiert.
Es gab nur noch 2 Großkonzerne auf der Welt, die alles unter sich aufteilten und der Beruf des Kochs in seiner Reinform war eigentlich verschwunden.
Die letzten Verbliebenen, wie er selbst auch, hatten Schwierigkeiten Gen-freie und unbehandelte Lebensmittel zu bekommen, was es auch im täglichen Geschäft immer schwerer machte, gesund und verantwortungsvoll zu arbeiten.
Um 2045 brachen dann alle Dämme. Die Lebensmittelvielfalt wurde geregelt. Alle Pflanzen, die nicht effizient genug oder schlicht nicht lukrativ genug, wurden nicht mehr angeboten.
Viele der alten Gemüse und Obstsorten fielen dieser Entwicklung zum Opfer. Die Vielfalt war tot!

Zum Wohle der Menschheit, wie man hörte, denn man brauche ertragreiche Lebensmittel, um alle Menschen auf Erden zu ernähren, anders ginge das nicht.

Aber das war irgendwie auch schon egal in einer Welt, in der Kinder den Geschmack frischer Lebensmittel gar nicht mehr kannten und Geschmack auch nur noch eine Frage der Garderobe war.
Der Mensch war verkümmert, das Essen zu einer reinen Nährstoffaufnahme geworden.

Ein Wunder, dass er so lange ausgehalten hatte mit seinem kleinen Restaurant.

Als er das Licht löschte, zum letzten Mal den Schlüssel im Schloss drehte und seine Küche verließ, starb ein großer Beruf für immer.
Denn was er an diesem Abend nicht wusste - er war der letzte wirkliche Koch gewesen.

Epilog:

Liebe Schlemmerlinge, Kollegen und Freude des guten Geschmacks - Ich habe heute zugegeben ein düsteres Bild der Zukunft gezeichnet. Ich wollte aber ganz bewusst mit Euch meine Sorge um die Zukunft der Branche teilen. Manche der hier angesprochene Punkte sind bereits Realität, die Profis unter Euch wissen genau von welchen ich hier spreche, andere sind noch in ferner Zukunft, könnten aber eintreten, wenn wir nicht Acht geben.
Mein Appell richtet sich an Alle von uns -  wir sind verantwortlich für die Speisen, die unsere Küchen verlassen. Wir sollten genau darüber nachdenken, ob wir unsere Seele der immer größer werdenden Lebensmittelindustrie mit ihren Voll Sortiment Convenience verkaufen möchten.
Denn wenn wir das tun, ist uns wirklich nicht mehr zu helfen.

Dann ist möglicherweise einer von uns irgendwann wirklich der letzte Koch.

Mit kulinarischen Grüßen
Euer

Alexander Reiter

Donnerstag, 5. Mai 2016

Chuck Norris war nicht hart genug!Hast Du das Zeug um Koch zu werden?

Chuck Norris war nicht hart genug! Hast Du das Zeug um Koch zu werden?




Im August und September beginnt ja überall in Bayern wieder ein neues Ausbildungsjahr.

Falls Ihr gerade dabei seid, Euch ein Bild über die verschiedenen Berufe zu machen und Euch noch nicht entschieden habt, was Ihr werden wollt, anbei ein paar Insider-Infos zum Beruf des Kochs.

Okay, wo fang ich an? Also, alle von Euch, die noch nie mehr mit Essen zu tun hatten, als sich beim Pizzaservice was zu bestellen, dürfen jetzt zu lesen aufhören.



Desweiteren wünsch ich allen, denen es egal ist, was sie essen und für die Dosenwürstchen die größte kulinarische Offenbarung bedeuten, einen schönen Tag.

Das Gleiche gilt für alle unter Euch, die so motiviert und begeisterungsfähig wie ein Walking Dead Zombie sind.

Für alle anderen, die jetzt immer noch weiterlesen... Gratulation, Ihr seid eine Runde weiter.



Ich könnte Euch jetzt erzählen, wie geregelt die Arbeitszeiten sind und dass Euch kleine rosa Wölkchen durch das Leben tragen, aber sorry, nicht mein Ding.
Der Beruf des Kochs ist mehr als man zuerst vermutet. Es verlangt die Leistungsbereitschaft eines Athleten, die Begeisterungsfähigkeit eines Kindes und die Liebe zum Lebensmittel, um hier mithalten zu können.


Du brauchst Kreativität und solltest auch einen Schuss Wahnsinn in Dir haben, das hilft an manchen Arbeitstagen.

In Dir sollte der Wille sein, deinen Gästen immer gerecht zu werden und die Loyalität eines Soldaten gegenüber deinen Chefs.

Sag Adios zu Deinem Freundeskreis, die sich entschieden haben, in der gesichtslosen Welt der Aktenschubser zu arbeiten und Hallo zu Deinen neuen Freuden, Deinen Kollegen.

Diese werden in Deinem zukünftigen Leben die Einzigen sein, die verstehen, was du tust und warum. Sie werden Dich nicht verurteilen, wenn Du an Wochenenden arbeitest oder an Feiertagen nicht nach Hause kommst.

 Sie werden Dich auffangen, wenn Du mal nicht weiter weißt und Dich auch noch in die Arme schließen, wenn Ihr sie Jahre nicht gesehen habt.

Denn der Beruf schweißt zusammen.

Oh, ich sehe, Ihr lest immer noch, gratuliere; Ihr habt Euch soeben für das letzte Drittel qualifiziert.

An alle anderen, hört auf zu lesen, jetzt! Und macht Heftklammern an irgendwas oder spitzt Euren Bleistift.

Jetzt aber kommt das Wichtigste; wenn Ihr Lust habt die Aromen und Geschmäcker der Welt in Euch aufzusaugen, wenn Ihr in den Ländern arbeiten wollt, wo andere Urlaub machen, wenn Ihr Teil ein ganz besonderen Gruppe von Menschen werden wollt, dann habt Ihr gute Chancen Koch zu werden.

Wenn Ihr Kreationen zaubern möchtet, die Euch nicht einschlafen lassen und Ihr nur ans Kochen denkt, dann ist Euer Dachschaden groß genug, den schönsten Beruf der Welt zu erlernen.

Gratulation, dann hast Du das Zeug, ein Koch zu werden!

Ein Aristokrat der Arbeiterklasse, ein Künstler, ein Getriebener auf der Suche nach Geschmack. Cooler, als der Rest und ausgestattet mit einem starken Charakter. Den bekommst Du übrigens gratis, wenn Du Dich durch die Positionen gekämpft hast.

Und wenn Du viel Glück hast und alles Neue und vielleicht auch Verrückte probierst und neugierig bleibst, dann findest Du auf dem Weg Deinen eigenen Stil, Deine Handschrift, die Dich dann aus der Masse hervorhebt und weiter trägt.

Wenn Du  er-LEBEN willst, was Kochen ist und bereit bist, eine Berufung zu wählen und keinen Beruf, dann:  Welcome to the Club!

Ich wünsch Euch von Herzen alles Gute,

Mit kulinarischen Grüßen,
euer

Alexander Reiter