Sonntag, 4. Februar 2018

Braukunst Live! 2018! Bier ist mehr als nur Wasser, Hopfen, Malz...

Traditionell ist ja immer eine Woche nach der Finest Spirits die Braukunst Live! vom selben Veranstalter, Frank Böer. Wie immer mit Leidenschaft und der Hilfe der tollen Crew von Storykitchen perfekt organisiert.

Prolog:
Bier wird immer noch belächelt und unterschätzt. 
Man stelle sich eine gut gekleidete Dame in einem stylischen Getränkemarkt vor, die fragt: Was für ein Bier können Sie mir als Geschenk für einen 50jährigen empfehlen? Er isst gern Rind und bevorzugt eher robuste, gut ausgeprägte Aromen in seinen Getränken... Bei Wein völlig normal, aber bei Bier? Das wird sich ändern, denkt an meine Worte :-) 


Malerisch - Das MVG-Museum bei Nacht
Nachdem meine beiden sonst so treuen Expeditionsbegleiter Stephan und Alex dieses Mal geschwächelt haben, musste ich mich allein auf den gefährlichen Weg zum MVG Museum machen – aber es hat sich definitiv wieder mal gelohnt!

Als Münchner Schlemmeronkel liegt mein Hauptaugenmerk ja nun mal nicht auf den tollen IPA’s* und Crafts* aus aller Welt, auch wenn sie mich alle sehr beeindruckt haben und definitiv alleine schon einen Blog wert sind.



Nein, wie immer war ich auf der Suche nach regionalen, um nicht zu sagen lokalen Spezialitäten. Und das, was ich da wieder alles entdeckt habe… sensationell, meine Lieben!


Aber von Vorn…

Presseansprache durch Frank Böer
Nach der üblichen Begrüßung durch Frank Böer zogen wir (die versammelte Blogger- und Journalistenschar) im Pulk durch die Halle und tranken uns durch mancherlei unterschiedliche Biere...

Jonas Seidl, Kondrauer und  Hopster
...und eine Hopfenlimo von Hopster (lecker, im Ernst! Und nur halb so viel Zucker).

Immer mit Frank Böers Spruch im Hinterkopf nachhallend:

„Liebe Leute, da ihr ja zum recherchieren hier UND professionell seid, müsst ihr die Gläser nicht austrinken.“



Vorstellung Hallodri, Hofbräu
OH NEIN! möchte man da ausrufen… Falsch, lieber Frank J bei den vielen hervorragenden Bieren wär es definitiv unprofessionell gewesen, die (eh‘ spärlich eingeschenkten) Probiergläser nicht auszutrinken.

Und bei manchem Glas hätte definitiv auch noch ein Nachschlag geschmeckt.

Zum Beispiel beim "Leinenkugels Hallodri" vom Hofbräuhaus… Ja, der heisst wirklich so, und ja, der schmeckt auch so. Ein Craftbier mit toller Geschichte vom Großbrauer. Nur auf den ersten Blick erstaunlich, denn viele kleine Brauereien rund um die Welt gehören dazu…


Eine besondere Ecke, als „The Lab“ bezeichnet, gibt 5 Brauern eine Chance, deren Kasse eine Ausstellungsteilnahme eigentlich nicht hergibt. Bild hab ich keins. Die Stände waren derart belagert, dass man eh nur Hinterköpfe gesehen hätte! Herzlichen Dank, lieber Frank Böer, da merkt man die Leidenschaft für’s Thema!

Nach dem Presserundgang, der lecker und locker in „The Lab“ endete, wurden wir in die freie Wildbahn des MVG Museums entlassen und ich pirschte mich unauffällig, jede alte Trambahn als Deckung ausnutzend, an die Beute an.

Eine Menge spannender Biere für Mutige und Durstige hab ich –stellvertretend  für Euch- probiert und war in den Gesprächen wie immer von der Leidenschaft der Brauer mehr als beeindruckt.

Gurken Gose! Oha! Probieren!
Zum Beispiel hab ich das Gurkenbier von der Braumanufaktur Hertl probiert! Mir persönlich war das Bier ein wenig zu … gurkig und salzig, aber die anderen Biere waren dafür schön zu trinken und rund im Geschmack.

Erstaunlich war zum Beispiel der "Bourbon King", ein 6 Monate im Bourbonfass gereifter Whiskydoppelbock. Zum Hinknien - nicht nur wegen der 11 % Volumen-Alkohol.

Der Seniorchef hatte viele Anekdoten auf Lager. Einen World Beer Award haben sie auch schon gewonnen. Die kleinste Brauerei Frankens ist definitiv einen Besuch wert und man kann sogar ein Brau-Seminar mit toller Verpflegung buchen.


Ich habe Euch ja einige lokale „Geheimtipps“ versprochen, und die kommen jetzt zum Schluss. Denn da kommt bekanntlich das Beste!

die sympathischere Mafia gibt's hier!
Es wurde schwarz, stylisch, dunkel… und ich stand bei der „Munich Brew Mafia“. Die Jungs haben viel Ahnung von Bier. Das schmeckt man.

Probiert hab ich hier das sehr frische „Don Limone“ und das „Habemus Cervesiam“… Heiliger Rauch! So "smokey" und trotzdem so ausgewogen! Beim Finish schmeckt man einen halben „Früchte-Fresskorb“ Feige, Dattel, Zwetschge und mehr.


Olchinger Braumanufaktur!
Danach hat mich die Besucherwelle durch den Gang genau bis zur Olchinger Braumanufaktur gespült, die übrigens sehr malerisch im Gut Grasslfing bei Olching sitzt und hervorragendes und süffiges Bier braut.

Julian Langosch, stilecht in der kurzen Lederhosn und mit Wadlstrümpf' hat mir so viele interessante Details erzählt, dass ich nächstens unbedingt mal vorbeischauen und drüber berichten muss. Ist ja für mich fast um die Ecke.

Am Stand brummte es so sehr, dass ich praktisch nur eine Sonderabfüllung probieren konnte, nämlich „Nie Bier“...



Der Himmel der Käseliebhaber!
Langsam meldete sich auch der Hunger und ich musste dringend was essen. Meine Wahl fiel wieder mal auf einen sensationellen Kasnocken-Burger vom Tölzer Kasladen. Lecker und macht satt.

Im Stand direkt daneben gibt es Südtiroler Spezialitäten, da habe ich auch in den vergangenen Jahren des öfteren einen Kurzurlaub eingelegt. Immer großartig - vor allem der Humor der Standlbetreiber, die immer einen Spruch drauf haben,  macht gute Laune.

Das gilt im Übrigen wirklich für alle Beteiligten. Für Aussteller, Mitarbeiter, Besucher... 


Und zu guter Letzt hat es mich zur Ninja verschlagen.

Brauer Julian, Wirtin Ninjaund Schichtleiterin Danielle
Nein, wir sprechen hier nicht von fernöstlicher Kampfkunst – sondern von bayerischer Braukunst und der angeborenen Kunst des Gastgebens. Ninja Höfler ist eine von 2 Geschäftsführerinnen beim Schiller Bräu.

Zuerst dachte ich ja, beim Schiller Bräu, da gibt’s nur Bier.

Weit gefehlt! Der Schiller Bräu ist AUCH ein echtes bayerisches Wirtshaus. Traditionsbewusst aber modern eingerichtet, mit Gästezimmern UND eigener Brauerei. Vom Braukeller zum Zapfhahn sozusagen... 💘 Wie zu Zeiten vom königlich bayerischen Amtsgericht... In der Schillerstraß' 23 mitten in München zwischen Stachus und Theresienwiesn!

Nein, der steht nicht auf dem Stuhl...
Ninja hat mich aus dem Besucherstrom gefischt mit den Worten: „Servus, mogst a Bier?“  Natürlich eine rein rethorische Frage!

Mir war schnell klar, diese Frau ist eine geborene Gastgeberin mit Ahnung vom Fach.

Demnächst werd ich unbedingt hinfahren müssen, um nach der obligatorischen Brauereiführung  mit Bier-Diplom den „damischen Ochs“ von der Speiskartn zu probieren. Net nur, weil er halt einfach gut zu mir passt... Mit bayerisch Kraut, hausgemachte Bierkrapfen und einem Glasl Scheps* oder einem Weißbier. Danach einen warmen Apfelstrudel auf Dunkelbier-Schokoladensoß‘… Ich bitte für die Schwärmerei um Entschuldigung, aber hach... 😋

An dieser Stelle will, muss und möchte ich mich bei allen Ausstellern entschuldigen, die ich nicht mehr besuchen konnte um drüber zu schreiben, aber bei 98 Ständen würde der Blog noch länger, als er eh schon ist. Und ich vorher umfallen! Nächstes Mal komm ich vorbei!

Ah, ja… bevor die Nachfragen kommen von denjenigen unter Euch, die noch nicht so firm sind in der hippen Craftbier-Szene:

„IPA“ ist die Abkürzung für India Pale Ale. Bitte ohne „n“ hinter India. Immer mindestens doppelt gehopft oder sogar gestopft und mit vielerlei unterschiedlichen Geschmäckern. Sehr deutlicher Hopfengeruch und Geschmack. Soll im 19. Jahrhundert in England/Schottland für die Kronkolonien in Indien gebraut worden sein. Historisch eher dürftig belegt.

„Craft“ Bier wird üblicherweise von unabhängigen Brauern handwerklich erzeugt (craft = Handwerk). Also nix industrielles, deshalb sehr individuell, sehr hip, Nix für "Bier-aus-der-Plastikflasche-Trinker" Zumindest vom Preis. Ein Trend aus den USA der mir besser gefällt, als die meisten anderen Trends, die derzeit so rüberschwappen…

"Scheps" ist ein früher sehr beliebtes Dünnbier gewesen. Ungefiltert und mit geringem Alkoholgehalt. Die Leut sollten ja auf'm Feld arbeiten und net singen :-)

Also, ich kann einen Besuch auf der Braukunst Live! 2018 einfach jedem empfehlen, der nicht hingeht, um sich zu betrinken, sondern der sich von der Vielfalt des Bieres und der Leidenschaft seiner Brauer verzaubern lassen möchte, und neues Wissen mit nach Hause bringen will.

Und noch was: Selbst wenn ihr professionell seid und nicht jedes Glas austrinkt... Fahrt's nicht mit dem Auto, das MVG-Museum ist gut öffentlich zu erreichen... 

Hopfige Grüße

Euer Schlemmeronkel Herbert

Freitag, 2. Februar 2018

Von der jüngeren Schwester der Müllerin oder alles bloß keine Fischstäbchen!



Wenn man einen Blick auf die meisten Wirtshaus-Speisenkarten wirft, fällt auf, dass wir Bajuwaren wohl nie die großen Fischesser sein werden.
Wir sind halt so mehr die „Eingefleischten“, wenn ich so sagen darf.


Wenn man zehn Männer fragen würde was sie anstatt Fleisch essen würden, wären die Ergebnisse ungefähr so:
Sechs Männer würden antworten „Wenns koa Fleisch gibt, dann iss i hoid a Wurst!“
Drei würden fragen „Is meiner Frau was passiert?“
Und von einem käme mit Panik in den Augen „Jetzt geh ma alle drauf!“.
So oder so ähnlich würde das wahrscheinlich ablaufen; unsere Frauen aber sind da anders, sie essen auch gerne mal Fisch, nur meist heißt das für sie freitags, Backfisch mit Kartoffelsalat und Remoulade.
Oder auch sehr beliebt und eine der einzigen Fischerfahrungen der heutigen Jugend: die Fischstäbchen.

Hier wächst inzwischen eine ganze Generation heran, die mit Fisch nur etwas paniertes, rechteckiges verbindet und wohl den Fischburger beim goldenen M.

Man kann dem Kapitän nur gratulieren, die Gehirnwäsche ist fast nahtlos gelungen, aber Kinder, lasst Euch sagen, ich war erst kürzlich tauchen und da ist kein einziger Schwarm Fischstäbchen an mir vorbeigezogen, während ich da unten war. Nix!
Fische sehen anderes aus und sind nicht rechteckig! Nicht einer!
Und man kann Fisch auch essen ohne ihn zu panieren oder vorher in Backteig zu ersäufen. Kein Scheiß!!

Aber zurück zum Thema.
Unsere Fixierung auf Fleisch kennt eigentlich nur zwei Ausnahmen: Aschermittwoch und Karfreitag.
Da werden dann im ganzen Bayernland Fischkarten geschrieben und man findet neben den üblichen Verdächtigen, wie Backfisch und Co, meist noch ein Lachsfilet und hie und da auch ein paar schöne Kreationen.
Und mal Hand auf´s Herz, bei vielen sind das die einzigen Fischgerichte im Jahr!

In Bayern ist inzwischen jeden Tag Sonntag, es gibt immer Braten und Fleisch und wenn mal nicht, gibt’s halt Käsespätzle.
Wir haben uns in diesem Punkt erstaunlich wenig weiterentwickelt. Wir essen noch genauso, wie die Holzhacker seinerzeit und arbeiten körperlich aber immer weniger.
Tja, was kann man denn da tun?

Gott sein Dank achten immer mehr junge Menschen auf ihre Ernährung, leben fit und bewusst, treiben viel Sport und rauchen weniger.
Aber diese hippe, fitte Generation wird nicht im Wirtshaus einkehren, wenn wir es nicht schaffen, etwas genauso Cooles, Hippes und Gesundes auf den Tisch zu bringen.
Und als kleines Beispiel, wie so etwas aussehen kann und trotzdem regional und bayrisch rüberkommt, hab ich mal a bisserl was für Euch gekocht und versprochen, das könnt Ihr daheim auch und es ist gar nicht schwer.


Ich zeig Euch heute mal Schritt für Schritt, wie man die heiße Schwester von der Müllerin macht, nämlich eine gefüllte Forelle und wie Ihr Euch daheim die schönste Forelle braten könnt.

Als Erstes brauchen wir eine schöne Forelle, in meinem Fall aus dem Königssee, die wir ausnehmen, waschen und die Kiemen entfernen.


Anschließend schneiden wir die kleinen Flossen ab, bis auf die Hintere, die lassen wir dran.
Nun schneiden wir vom Kopf zum Schwanz mit einem Messer entlang der Rückengräte.


Wenn wir diese freigelegt haben, können wir die Rückengräte durchschneiden, das geht am Besten mit einer Fischschere.

Nun entfernen wir noch die restlichen Gräten, bis wir einen komplett grätenfreien Fisch vor uns liegen haben. Dann noch ein Spritzer Zitrone und a bisserl Bergsalz



Füllen können wir unsere scheene Forelle jetzt je nach Gusto. Ich hab mir ein Sellerie-Kartoffelpüree gemacht mit etwas Sauerrahm, aber Ihr könnt das gerne nach Lust und Laune füllen, z. B. mit Spinat oder einer Tomaten-Olivenmischung.


Anschließend geht unsere Forelle für einige Minuten in den Ofen, ein bisserl Fenchel, Petersilienwurzel und Weißwein dazu. Der Wein muss natürlich vorher intensivst auf seinen Geschmack getestet werden, ein Schluck für die Forelle, zwei für Euch. Und  dann sind wir eigentlich schon fertig.

Klar, man kann des jetzt ein Kleinwenig schön anrichten, kommt immer gut und fertig ist das besondere Fischschmankerl.

Unser zweites Gericht ist noch a bisserl einfacher. Hier entfernen wir lediglich die Flossen der ausgenommenen und gewaschenen Forelle und schneiden diese an der Haut ein.



Anschließend braten wir diese in Butter goldbraun fertig.


Oiso, Ihr Fleischpflanzerl-Junkies, Schnitzel Fanatiker und Schweinebraten Jünger da draußen, ich versteh Euch ja, doch gebt´s dem Fisch auch ab und zu eine Chance.

Oder Ihr geht´s selber Angeln, so wie ich, „ Mein Kampf mitdem Seemonster“  war schon eine Erfahrung für mich.


Doch egal was Ihr tut, habt Spaß am Kochen und verführts Eure Lieben, das geht auch mit einem Fisch, versprochen. Bei meiner Frau hats auf jeden Fall funktioniert. 

Bleibt´s brav und genießt den Beginn der Fastenzeit,

Euer Alexander Reiter


Freitag, 26. Januar 2018

Finest Spirits- die Geister die ich rief!


Servus Ihr Lieben,
wenn Ihr mal wieder nicht wisst, was Ihr an diesem Wochenende machen sollt, hab ich da vielleicht einen tollen Vorschlag für Euch. Von Heute, 26.1 bis 28.1 findet im MVG Museum die "Finest Spirits 18" statt, DIE Spirituosenmesse in München.


Hier könnt Ihr Euch von den führenden Köpfen ihrer Zunft in die Kunst der Spirituosenherstellung einführen lassen und zum Verkosten gibt´s dann natürlich auch was:-)


Wir durften uns für Euch schon einmal vorab einen kleinen Überblick verschaffen und waren be-geistert! Ach ja und morgen sicherlich verkatert! Und nein, es muss sich nicht alles reimen.


Der Rundgang unter Führung von Veranstalter Frank Böer zeigte uns auch das diesjährige Fokusthema Bourbon, der ja aus der Bar- und Cocktailkultur nicht wegzudenken ist und eine unglaubliche Entwicklung genommen hat.


Was auffällt ist, dass wir Bayern uns hier keineswegs verstecken müssen. Die wunderbaren Tröpfchen unserer Heimat sind weltweit gefragte Top Produkte, die wegen unwahrscheinlich viel Herzblut und Detailverliebtheit große Anerkennung genießen.


Besonders gefallen hat mir der Stand von Bavarian Moonshine, der mit seinem, im amerikanischen Stil, abgefüllten Moonshine ein klein wenig amerikanische Prohibition zu uns nach Bayern bringt. Der American Way of Life, abgefüllt in traditionellen Mason Jars, oiso Einmachgläsern.
Und des Ganze kommt aus Olching, liebevoll hergestellt von Markus und Alexander Schnell, die mit ihrem Moonshine für uns auf keiner Party mehr fehlen dürfen, denn cooler wird´s nun wirklich nicht mehr.


Was auch immer wieder begeistert sind die Stände von Slyrs und der Münchner Spirituosen GmbH von Johannes Schlemmer.
Wenn etwas "Spirit of Bavaria" heißt oder aber "Soul of Bavaria", dann kann des ja nur lässig sein. Und über die Qualität muss man hier nicht reden. Exclusiver wird’s kaum noch und hergestellt mit unserm guaden Münchner Wasser. 


Einzig der Rum macht mir ein bisserl Kopfzerbrechen. Der schmeckt zwar wahnsinnig guad, aber "Pirat of Bavaria", da bin ich mir nicht so sicher. Hab noch keinen getroffen, Piraten mein ich, auf dem Chiemsee, aber nach der zweiten Flasche könnt es sein, dass ich einer werde. Ja, ich glaub, so is des gemeint.
Ich war echt geflashed wie viel Tradition und handwerkliches Geschick hier präsentiert wird.


Der Schlemmeronkel Herbert hat es sich auch nicht nehmen lassen, Mike Werner, Inhaber von Mikes Whiskeyhandel, an seinem Stand noch ein kleines Geschenk zu überreichen und so muss ich sagen, war es für uns ein echt unvergesslicher und hochinteressanter Nachmittag.

Macht Sinn für mich

Wenn Ihr Euch fragt, wie wir nachhause gekommen sind, kann ich das eigentlich nur so beantworten: reine Körperbeherrschung! Ich meine von mir.
Herbert und Stephan hab ich irgendwann auf der Messe verloren.
Möglicherweise tauchen die aber bis Sonntag wieder auf, hab zur Sicherheit der Putzfrau ein Foto gegeben. 


Die ruft mich dann an, wenn sie die Beiden vergeistigt irgendwo in einer Ecke findet.
Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende auf der "Finest Spirits"
Euer
Alexander Reiter

(und Herbert Hörnlein und Stephan Hein, verschollen aber glücklich)

Montag, 1. Januar 2018

München sagt "Servus Heidi" Das Moderne Bayerische Wirtshaus im Westend



Dass Tradition und Moderne wunderbar miteinander funktionieren, sieht man bei uns in München, wie in keiner anderen Stadt der Welt.
Da geht der Banker auch schon mal in Lederhosen ins Businessmeeting, weil er danach ja noch auf die Wiesn muas oder man trifft einen hippen Eisbach Surfer mit einer Leberkäs-Semmel im Mund im Englischen Garten.



Bei uns ganz normal, Vergangenheit und Zukunft sind in unserer Stadt untrennbar miteinander verbunden und wir lieben unsere Originale, die Alten und die Neuen. Wir erfreuen uns noch heute immer wieder gerne am unvergleichlichen komödiantischen Talent von Karl Valentin und feiern gleichzeitig unsere neuen Helden, wie Django Asül oder Harry G., wenn sie wieder einmal granteln, dass der Rauch aufgeht.



Tja und der Monaco, der ist sowieso Kult, egal ob heut, morgen oder irgendwann.
Ihr seht, alles geht in unserer Stadt und wer kennt sie nicht, die Rosi mit ihrem Telefon von der Spider Murphy Gang. Irgendwo müsste ich noch ihre Nummer haben. Ich glaub, irgendwas mit 32?
Obwohl, wenn ich so nachdenke, dürfte die Rosi inzwischen ziemlich in die Jahre gekommen sein, ich glaub, die ruf ich nicht an, die müsste jetzt auch schon im Rentenalter sein.


Aber ich hab da eh was viel Heißeres für Euch, grad von der Alm runter.
Jung, modern bayrisch und natürlich höllisch sexy!
Bei ihr steht das Telefon nie still und wenn Ihr viel Glück habt, bekommt Ihr da auch noch ein Platzer´l



Wovon ich red? Ganz einfach, vom neuen Hotspot im Westend, der neuen Königin der Nacht, dem modernen Bayerischen Wirtshaus
Doch was macht die Heidi aus, dass alle so begeistert sind und das Restaurant in kürzester Zeit zu einem der Besten in München gemacht hat? 


Um das für Euch raus zu finden, hab ich mich einfach mal schick gemacht, Kochjacke an und ab in die Servus Heidi, um a bisserl mitzukochen.

Inspiriert und erdacht wurde das Wirtshaus vom Team rund um Bardia Torabi, der hier mit seinen Mitarbeitern in der Servus Heidi dieselbe Detailverliebtheit und Freude an der Gastronomie zeigt, wie auch im RoomersHotel Munich, das ebenfalls unter seiner Leitung steht.
Hierzu sagen wir in München „Wer ko, der ko“ und die Roomers Crew kann´s halt einfach.




Schon bei Betreten des Lokals fühlt man sich gut aufgehoben. Warme, mit Holz verkleidete, Wände, Bilder mit Alpenpanoramen sowie Graphiken und Tier-Illustrationen schmücken die Räume. Doch ein Bild hat mich a bisserl verstört, denn ich hatte den Geissenpeter irgendwie anders in Erinnerung.


Platz nimmt man auf echt gemütlichen Filzstühlen oder an der einladenden Bar. Die, im Bartresen eingelassenen, Zwei Cent- Stücke glänzen genauso schön, wie die gesamte Einrichtung und das Lächeln des aufrichtig freundlichen Personals, das schon mal typisch bayrisch in der Lederhosen serviert.



Im hinteren Teil des Restaurants befindet sich noch eine Leinwand im Bilderrahmen auf der in meinen Fall grad der Pumuckl über den Bildschirm sauste! Stimmt, auch ein Münchner, hätte ich fast vergessen.



Die Getränkekarte ist schön und kreativ gestaltet. Servus Heidi Drink im Milchkännchen serviert ist hier der Renner oder Ihr probiert den wohl beste Erdbeer-Daiquiri von München. Und klar gibt´s auch ein Bier, Augustiner versteht sich. Des weiteren finden sich auf der Karte natürlich weitere Münchner Spezialitäten, wie Duke Gin oder mein Favorit, die Eisbach Limos.
Musikalisch gibt´s einen coolen Mix und den lässigen Heidi Song von Django 3000 obendrauf. Auch auf Live Musik darf man sich einmal im Monat freuen, Partystimmung inklusive.


Jetzt aber zur Küche! Das Konzept Heidis moderner bayerischer Küche stammt aus der Feder des Küchendirektors Matthias Stuber und seines kreativen Stellvertreters Tobias Frowein, die auch im Roomers Hotel die Gäste mit ihrem kulinarischen Können verzaubern. Umgesetzt und herrlich schmackhaft gekocht wird das ganze von Yves Luc Dayo, der wunderbar unkompliziert und sehr gewissenhaft das Küchenteam der Heidi leitet.


Doch was genau ist denn moderne bayerische Küche?!
Tja, was man als Gast nicht sieht, für mich aber umso spannender ist, ist die Entstehung der Gerichte. In der Küche wird sehr viel Wert gelegt auf Frische und Regionalität, doch der wahre Unterschied liegt für mich in der Zubereitung. Hier wird klar, warum das Wammerl „krass“ ist, denn wenn man einen Schweinebauch 36 Stunden Sous Vide gart, wird der eben wundervoll butterweich, „krass" halt.


Die Entenkeulen werden konfiert und zergehen auf der Zunge. Moderne und traditionelle Garmethoden im Wechsel für höchsten Genuss. Tja und neben bodenständigen Gerichten, wie dem Münchner Schnitzel, gibt´s auch Gebackene Weißwürste oder einen echt guaden Kürbis aus dem Ofen mit Schafskäse gefüllt und Pflaumen. 

Nicht zu vergessen das vogelwilde Backhendl im Heu serviert oder das Knödeltrio, das mit Nussbutter und Salat serviert wird. Das und noch viel mehr findet man auf der sehr abwechslungsreichen Karte.


Eine tolle Art möglichst viele der einmaligen Schmankerl zu kosten, sind die Sharing Menüs, die richtig Spaß machen. Hier heißt es kosten und sich verwöhnen lassen, ich empfehle das Sharing Menü „Zugspitze“, denn das ist wirklich spitze und hier könnt Ihr fast alles probieren, was so geboten wird.


Präsentiert wird alles auf feinstem Villeroy & Boch Geschirr oder, wie der Alpengarten, einfach mal im Eimer. Was die Speisen aber wirklich ausmacht, ist die Liebe, mit der hier gekocht wird; ich hab selten soviel Freude am Kochen gespürt, wie in der Heidi-Küche. Und diese Freude und Liebe zu den Produkten landet letztendlich auf dem Teller.


Vielleicht sind wir hier nun auch zum Herz des Ganzen vorgestoßen. Ich glaube, der besondere Zauber der Servus Heidi sind die Mitarbeiter, die diesen Ort zu etwas ganz wundervollem machen. Geleitet durch ein herzliches Management, das ihnen Vertrauen und Sicherheit gibt, haben sie hier etwas wirklich von Herzen Schönes erschaffen und das spüren die Gäste; ein Ort, an dem man sich geborgen fühlt, lacht und mit Freunden Zeit verbringt.


Ein Stück Heimat, inmitten der Großstadt.
Und am Ende wird hier viel mehr serviert als Speisen und Getränke, was hier serviert wird, sind Erinnerungen an schöne Stunden in der Servus Heidi, meiner neuen Königin der Nacht!
Ach ja, Info an mich, Telefonnummer von Rosi braucht kein Mensch mehr, ist steinalt!
Anbei die Adresse von dieser heißen kleinen Heidi:

Servus Heidi
LandsbergerStr. 73
80339 München
Telefon: 089/55 27 63 03
www.servusheidi.de
www.roomers-munich.com
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 18.00h - 00.00h.

Also, auf geht´s ins Westend

und bleibt´s brav

Euer



Samstag, 2. Dezember 2017

Michi´s ganz besondere Weihnachtsgeschichte




Es war ein Winter, wie schon lange nicht mehr. Es schneite immerzu und der eisige Wind ließ die Schneemassen auch noch durch die Lüfte tanzen, so dass man die Hand nicht mehr vor Augen sah. Meterhoch lag der Schnee an diesem Weihnachtstag, doch bald würde er sich auf dem Heimweg machen, dachte sich der Koch Michi, der hier an dem kleinen Landflughafen das Bistro betrieb.

Der letzte Flug war gerade abgehoben und die Passagiere der kleinen Maschine, die vor ein paar Minuten gelandet war, sollten eigentlich die Letzten sein.

Die meisten Kollegen waren schon weg, es war ja schließlich Weihnachten und es war ruhig geworden am Flughafen. Soweit er sehen konnte waren da noch die beiden Polizisten, die bei ihm immer gerne ihren Kaffee tranken und der neue Kollege von der Bodencrew, der gerade das Gepäck auslud.

Alle anderen hatten sich scheinbar schon aus dem Staub gemacht.
Er warf kurz einen Blick rüber und sah dort lediglich 3 Leute stehen, die auf ihr Gepäck warteten, na was soll´s aufräumen und ab nach Hause.

Er schnappte sich einen Putzlappen und begann sein kleines Reich zu reinigen, das Lied summend auf den Lippen, das gerade über die Lautsprecher schallte „Let it snow“. Hmm passend, kam es ihm in den Sinn, bei dem Schneetreiben.

So dachte er bereits bestens gelaunt an Zuhause, Weihnachtsgesänge, glückliche Gesichter und das Strahlen in den Augen seiner Lieben.

Ein lautes Schreien und Schimpfen riss ihn aus seinen Gedanken und so schaute er über seine Theke um zu erkennen was da denn vor sich ging.

Von seiner Position aus sah es so aus, als hätten die beiden Polizisten den Ausgang versperrt und verwehrten den drei verbliebenen Passagieren das Verlassen des Flughafens. `Wahrscheinlich wieder so ein Zoll- Ding` dachte er. Naja, sind halt Beamte, die können nicht einmal an Weihnachten a Ruh geben.

Da er eh fertig war und nur noch das Licht ausgeschaltet werden musste, zog er sich schnell seine Schütze aus, warf sich seine Jacke über und machte sich auf den Weg zum Ausgang.

Als er die Gruppe erreichte und an ihnen vorbei durch die Tür gehen wollte, hielt ihn einer der Kollegen auf.

„ Des wird leider nix, tut mir leid.“ Michi schaute verdutzt.

 „Wie, das wird nix ??“ Der Polizist zeigte auf die große Anzeigetafel in der Abflughalle auf der stand „ Aufgrund des starken Schneesturms kann der Flugbetrieb am morgigen Tag leider nicht durchgeführt werden. Alle Zufahrtsstraßen zum Flughafen sind zur Zeit unpassierbar, bei Fragen wenden Sie sich bitte an unsere Telefon Hotline. Wir bitten um Ihr Verständnis und wünschen ein frohes Weihnachtsfest.“

Michi drehte sich wieder zu ihm um, zuckte mit den Schultern und sagte „Ja und??“.

„ Wir sind eingeschneit, wir kommen nicht weg, es ist alles zu, glaubst ned wir wollen auch heim?“

Jetzt erst begriff Michi langsam, was er ihm da sagte, er saß hier fest! Was für eine Schei……… und das an Weihnachten. Zuhause warteten seine Liebsten, die Geschenke und vor allem auch die Gans, die es traditionell immer an Weihnachten gab und welche er jedes Jahr mit viel Liebe zubereitete. Das müsste jetzt seine Frau übernehmen, welche zwar sehr gut backen, aber nicht kochen konnte; das könnte ein Problem werden!

Kaum zu Ende gedacht, klingelte sein Handy. „Hallo mein Schatz, ich habe im Radio gehört, dass Ihr eingeschneit seid“ erklang die Stimme seiner Frau.

 „Hallo mein Engel, ja leider, ich weiß nicht, wann ich heimkomme, ich werd mich wohl verspäten“.

"Das macht doch nichts! Du kannst ja nichts dafür! Ich hab hier alles im Griff, ich hab auch schon die Gans ins Rohr geschoben, ich dachte mir 250 Grad! reichen, is ja ne echt große Gans".

Michis Blutdruck begann bei diesen Worten direkt zu steigen, doch er versuchte mit Engelszungen zu antworten. „Das ist ja sehr schön mein Schatz, geh jetzt bitte in die Küche und schau nach der Gans, okay?".

"Okay, bin vor dem Ofen. Sieht noch so aus, wie eben, als ich sie reingeschoben habe, soll ich die Temperatur erhöhen? Vielleicht 300?"

Er merkte, wie er langsam selbst zu kochen begann, doch er versuchte weiter ruhig zu antworten.

„So mein Engel, jetzt drehen wir das Ganze erst einmal runter. Auf 160 Grad Umluft, ja?“

"Okay, wenn Du meinst" antwortete sie. "Ist erledigt!"

"Schön, das hast Du gut gemacht. Du hast auch Wasser angegossen oder?"
"Wohin?" hörte er es am anderen Ende der Leitung. Nun wurde er langsam unruhig. „Engelchen, die Gans ist in einer Reine oder?“

Schweigen am anderen Ende, er hörte nur einige Zeit etwas Töpfegeklapper und ein leises Fluchen, was ihn dann doch schmunzeln ließ.
„Ja, aber logisch, die Gans ist in einer Reine, klar!“, seine Frau klang etwas gehetzt. 

Er musste lachen „Du hast sie grad hineingesetzt oder?“
Auf der anderen Seite kam nur ein „Wie? Ich hör Dich so schlecht, es rauscht ein bisschen, muss der Schnee sein“

„Ja klar der Schnee", antwortete er schmunzelnd "Du bist mir so Eine. Jetzt gießt du bitte 300ml Wasser in die Reine und schiebst sie zurück in den Ofen. Dann lässt Du sie 2 ½ Stunden garen, ich schau, dass ich hier irgendwie wegkomme".
Er hörte noch ein „Okay, erledigt, ich freu mich auf Dich, Küsschen“ bevor sie auflegte.
`So, das war geschafft` dachte er so bei sich. `Schiebt die Gans bei 250 Grad rein, Himmel hilf. Ich muss schnell heim, sonst kocht Sie mir noch die Knödel in der Waschmaschine`.

Nachdem das Gespräch beendet war, drehte er sich wieder zu den Polizisten, "Oiso Leute, wie kommen wir hier weg, Notfall, meine Frau kocht!"
Die beiden sahen sich an und mussten lächeln, bevor einer von ihnen antwortete „Macht mei Oide jeden Tag, und ich leb trotzdem noch. Mir sitzen hier erstmal fest, bis die Straßen wieder frei san, Hilft nix, muas dei Frau halt Würstl essen mit Kartoffelsalat, wenn sie des schafft “ der Polizist schlug seinem Kollegen kameradschaftlich auf die Schulter und beide begannen herzhaft zu lachen.

„Ich merk schon, Ihr seid´s heut echt guad drauf!" erwiderte Michi
"Und was is mit denen Drei?"
"Die kommen auch ned weg. Leider verstehen wir koa Wort von dem, was die sagen, die kommen irgendwie von auswärts." 

Michi blickte hinüber und sah die Drei da stehen. Sie hatten einen Zettel in der Hand und schauten traurig in Richtung Tür.
"Die haben eine Einweisung ins Krankenhaus für den kloanen Bub" hörte er seinen Kollegen sagen. 
"Ja und? Könnt´s Ihr keinen Krankenwagen rufen?" Michi schaute ihn an. "Der Bub fliegt sicher ned stundenlang zu uns, weil er schnupfen hat!"

"Michi, des wissen wir auch, aber schau doch mal raus!" mischte sich der andere Polizist ein.
"Hast ja recht" Michi klang etwas entmutigt, doch dann begann er einen Plan zu schmieden! Wenn sie hier alle fest saßen und der Kleine schon sein Weihnachten am Flughafen feiern musste, dann wenigstens richtig.
Er stellt sich vor die Anwesenden auf und begann „Okay Leute, es ist Weihnachtstag, wir sitzen alle hier fest und das lässt sich nicht ändern. Aber deswegen werden wir trotzdem Weihnachten feiern!"

Die Eltern des Kleinen schauten sich mit ratlosen Gesichtern an „No etiendo ni lo mas minimo de eso“.
Als unser Koch das hörte, lachte er laut auf, schaute zu den Polizisten und sagte „ Das ist Spanisch, Ihr Bauern!“  Da er selbst einige Zeit in Spanien gelebt hatte, erklärte er der Familie die Situation. Sie selbst waren sehr verwundert über solche Schneemassen, doch waren gleich Feuer und Flamme für die Idee, dann einfach hier Weihnachten zu feiern, speziell ihres kleinen Sohns wegen, denn er war noch so klein, doch sollte er doch ein schönes Weihnachtsfest haben.

Der Mutter liefen dabei ein paar Tränen die Wangen hinunter. Vielleicht würde er kein weiteres mehr haben, wenn sie keinen Spender finden, erklärte sie Michi, denn ihr kleiner Sohn hatte Blutkrebs.
Michi blickte hinüber zu dem kleinen Jungen, der auf dem Boden saß und ganz vertieft mit seinem Spielzeugauto spielte und wurde unendlich traurig.

Doch jetzt war nicht die Zeit zu weinen, er würde helfen, ihm das schönste Weihnachten aller Zeiten zu bescheren und zwar genau hier auf dem Flughafen.
Gesagt, getan. Die beiden Gesetzeshüter fingen an eine Art Parcours aufzubauen und riefen den neue Kollege von der Bodencrew mit seinem Elektro-Wagen. Dieser fuhr mit dem Kleinen unter fachgerechter Aufsicht in der Abflughalle herum, das dieser nur so vor Freude lachte.
Der Vater des Kleinen überlegte sich derweil allerlei Spiele und die Mutter und Michi gingen in die Küche.

Geschwind war eine Tafel mit Allem, was er noch so fand in seiner kleinen Bistro- Küche, gerichtet. Es würde wohl nicht viel werden, Kuchen, ein paar Keksen, doch wurscht, denn der Geist der Weihnacht hatte sie längst alle erfasst. Noch einen kleinen Topf Glühwein aufgesetzt und einen Kinderpunsch für den Kleinen.
Michi zog noch mit Hilfe der Anderen einen Weihnachtsbaum herein, der in der Halle als Dekoration gestanden hatte und stellte noch einige Kerzen auf den Tisch.

Mit einem Mal erstrahlte sein kleines Reich in völlig neuem Licht, draußen vor den großen Glasscheiben türmte sich der Schnee, der das Kerzenlicht reflektierte und verzauberte die Szenerie in ein regelrechtes Winterwunderland. Der Geruch des frischen Glühweins und des leuchtenden Weihnachtsbaums, die Tafel, gefüllt mit den kleinen Speisen und die weihnachtliche Musik zur Untermalung komplettierten das Ganze.

Michael goss noch schnell ein paar Gläser Sekt ein und einen Orangensaft. Es war geschafft, die Gäste konnten kommen. Als der Kleine mit seiner Schaar an Weihnachts-Entertainern bei der Tür erschien, merkte man, wie viel Freude sie alle gehabt hatten.
Sie hatten Rentierhüte auf, die sie irgendwo in Shop aus der Auslage geliehen hatten und lächelten über beide Ohren. Tja, Kind bleibt Kind, ob groß oder klein.

Michi verteilte die Sektgläser, sie stießen an und ihre kleine Feier konnte starten. Dabei fiel ihm auf, dass er gar nicht wusste, wie all seine Feiergäste hießen.
Die beiden Polizisten hießen Caspar und Hausl. Mal echt bayerische Namen, aber die der anderen, da müsste er später mal fragen. 

Sie begannen zu essen, scherzten und genossen den frühen Abend, der neue Kollege der Bodencrew, seine Name war übrigens Melchi, war ein echt lustiger Typ, der allerlei Witze auf Lager hatte.
Michi merkte, dass sich die Familie in diesem Kreis sehr wohlfühlte, sie alle lachten und genossen die Feier. 

Maria, die Mutter des Kleinen begann mit dem Kerzenlicht kleine Schattenbilder an die Wand zu werfen die der Kleine sofort fangen wollen, sehr zur Belustigung seines Vaters Joseph.

Unser Koch war glücklich und blickte zufrieden in die Runde, wenn er auch seine Familie vermisste. Seine Frau würde vielleicht wirklich Würstl machen müssen, denn er glaubte nicht, dass er es noch bis nach Hause schaffen würde, als plötzlich sein Handy klingelte.
„ Hallo Michi! Schau mal aus dem Fenster!"

Was Michi sah, brachte ihn fast augenblicklich zum Lachen. Seine Frau hatte sich scheinbar die Schneeraupe vom Nachbarn ausgeliehen und walzte sich ihren Weg zum Haupteingang und sie hatte eine Gans dabei!!

Er holte sie am Haupteingang ab, drückte sie und sie sagte „Ich dachte mir, wenn Du nicht zum Essen heimkommst, kommt das Essen halt zu dir!“
"Du bist einfach die Beste, mein Engel" antworte Michi glückselig und so wurde die Tafel doch noch reichhaltig gedeckt und alle erfreuten sich an der wundervollen Weihnachtsgans.
Michi stellte allen seine Frau vor, die im Anschluß Michael ins Ohr flüsterte „Willst Du mich verarschen? Ist Dir irgendwas an Deinen Gästen aufgefallen?" Michi zuckte mit den Schultern.
„Wir haben hier Caspar und Hausl" seine Frau zeigte auf die Polizisten, "Hausl ist die bayerische Version von Balthasar, der Lustige dort drüben heißt Melchi oiso Melchior. Und die Eltern heißen Maria und Joseph, des muas Du doch gemerkt haben?"

Jetzt fiel es unserem Koch wie Schuppen von den Augen, stimmt, aber sicher nur Zufall, doch dann erhob sich Maria und bat Michael zu übersetzten. „Ihr guten Menschen, wir danken Euch von ganzem Herzen, dass Ihr uns so wundervoll aufgenommen habt, Gott beschütze Euch. Ihr habt uns und unserem kleinen „Jesús“ einen wundervollen Abend beschert."

Jetzt erkannte Michael, dass seine Frau Recht hatte und er schaute mit offenem Mund in die Runde. Das musste ein Zeichen Gottes sein, auch wenn Jesús ein echt gebräuchlicher Vorname in Spanien war. Immer und immer wieder dachte er darüber nach, es musste ein Zeichen sein!

Als sich die Feier langsam dem Ende näherte, einigten sich alle, den Abend mit einer schönen Schneeraupenfahrt ausklingen zu lassen und so fuhr unsere Weihnachtsgesellschaft einen nach dem anderen nach Hause, bis sie letztendlich vor dem Krankenhaus standen.
Michael half das Gepäck auszupacken und begleitete die drei zur Anmeldung, um zu übersetzen. Er brachte die Familie noch aufs Zimmer und verabschiedete sich von ihnen.

Als er sich beim Hinausgehen bei der Anmeldung noch von der Nachtschwester Gabi verabschieden wollte, sagte diese
"Wenn Sie sich noch als möglicher Spender eintragen wollen, dritte Tür links, war doch Ihre Frage oder?"
Michi war ein wenig verdutzt "Ähhh ja, dritte Tür links, mach ich!“
Als das erledigt war, setzte er sich zu seiner Frau in die Schneeraupe und fuhr glücklich und gesättigt durch die tief verschneite Winterlandschaft nach hause.

Einige Tage später zwischen den Jahren, als er sich gerade zum Skifahren aufmachen wollte, klingelte sein Telefon.
„Grüß Gott, Kreiskrankenhaus der Barmherzigen Schwestern hier, spreche ich mit Herrn Michael Himmelreich?„
„Ja, das bin ich" antwortete Michi. 
„Wir möchten Sie bitten, umgehend zu uns ins Krankenhaus zu kommen.“
„Ja, und wieso?“
„Des sagt Ihnen dann der Arzt, Sie machen sich bitte gleich auf den Weg!“
Und schon war Michael in seinem Auto und auf dem Weg ins Krankenhaus.

Hier angekommen wurde er sogleich zum Chefarzt gebracht, der ihn freudig anlächelte. „Grüß Gott, Sie kommen wirklich wie gerufen. Sie haben sich doch als Spender eintragen lassen und erfreulicherweise passen Sie ganz genau, um dem kleinen spanischen Jungen zu helfen. Mit Ihrer Hilfe wird er wieder völlig gesund!"

Michael wusste nun welches Zeichen Gott ihm geben wollte und für was er vorgesehen war.
Mit Tränen des Glücks und seinem Glauben im Herzen, war er zu Gottes Werkzeug geworden, um dem Kleinen zu helfen wieder gesund zu werden.
So würde Michael dieses Weihnachten wohl nie vergessen, das Weihnachten, an dem seine Frau eine leckere Gans gezaubert hatte, er ein paar weihnachtliche Stunden am Flughafen verbrachte und allem voran, dass er dem kleinen Jesus ein neues Leben schenken durfte.


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Das Team des Schlemmerblogs wünscht euch von Herzen eine schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
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Mit weihnachtlichen Grüßen,
eurer Schlemmerblog München

Herbert Hörnlein, Nicole Savels und Alexander Reiter